Gastbeitrag: Könnte Intelligent Design wissenschaftlichen Status erlangen?

„Sire, je n’avais pas besoin de cette hypothese!” soll Pierre-Simon Laplace auf die Frage Napoleon Bonapartes, ob in seinen wissenschaftlichen Modellen noch Platz für Gott sei, geantwortet haben – „Diese Hypothese brauche ich nicht!“

Laplace war auf der Höhe der Naturwissenschaft, namentlich der Physik, seiner Zeit. Diese war geprägt vom Galilei-Newtonschen Paradigma eines – wie wir das heute nennen – mechanistischen, mathematisch sauber ausformulierten naturwissenschaftlichen Weltbild. Man konnte sich das Universum als gigantisches Uhrwerk denken, das exakte Voraussagen erlaubt. Würde man alle Zustände im Universum zu einem gegebenen Zeitpunkt kennen, so könnte man auf alle zukünftigen Zustände voraussagen – das wurde aus diesem Weltbild logisch korrekt geschlussfolgert. Da dieses Weltbild nach den damaligen Vorstellungen ebenso für den Meso- und Mikrokosmos galt, müsste alle Zukunft für die ganze Welt prinzipiell vorher bestimmbar sein, denn auf die Naturgesetze ist Verlass, sie galten ebenso schon für die Vergangenheit, wie auch Lyell es voraussetzte. Ein Gott oder Designer war nicht notwendig, es sei denn bestenfalls als gedachter erster Anstoßender bei „Inbetriebnahme“ des Universums (Deismus) oder als Schöpfer dieser ganzen „Weltuhr“, wie Isaak Newton glaubte.

Die ganze Welt eine deterministische Maschine? Können wir wirklich zeitunabhängig Zukunft und Vergangenheit als Summen mechanischer Ereignisse streng nach Ursachen und Wirkungen deuten? Kann man beispielsweise den „Zeitpfeil“ umkehren? Kann man die bei mechanischen Verrichtungen in den Raum entweichende elektromagnetische Strahlung, die sog. Reibungswärme, wieder zurückholen und dem System wieder zufügen? Die sog. Entropie verweist auf die Irreversibilität von Abläufen; der Zeitpfeil ist unumkehrbar. Hier scheint schon ein klein wenig die moderne Physik hindurch, die Wärmestrahlungsphänomene und vieles mehr untersuchen wird. Die Quantenphysik wurde schließlich zum „Exorzisten“, die den „Laplaceschen Dämon“, jene streng kausal laufenden Weltmaschine, ausgetrieben hat. Hatten schon die Relativitätstheorien die klassische Mechanik Galileis und Newtons zum Spezialfall einer umfassenderen Theorie gemacht, so wurden Kausalität und Determinismus – und damit letztlich auch das, was wir gemeinhin Naturgesetze nennen - durch die Quantenphysik als Ausdruck eines grundlegenderen statistischen Prinzips gesehen. Das Geschehen im Mikrokosmos ist wegen der Unschärfe aller sog. Elementarteilchen nicht determinierbar. Im Mesokosmos wirkt nur, was nach dem Zusammenbruch sog. Wahrscheinlichkeitswellen (der Quantenobjekte), geschieht (Dekohärenz). Dass uns die Welt dennoch stabil und naturgesetzlich geregelt erscheint, ist nichts anderes, als die scheinbare Bevorzugung einer bestimmten Wahrscheinlichkeit als summarischer Effekt von Dekohärenz. Dieses wird v.a. beim radioaktiven Zerfall deutlich, der nicht erlaubt, Vorhersagen über das Verhalten einzelner Atome zu machen, jedoch nach einer Zeit (sog. Halbwertzeit) bei einer großen Menge den Zerfall der Hälfte einer bestimmten Masse des Isotops statistische Rückschlüsse zu ziehen. Wer einmal ein Physikpraktikum gemacht hat, weiß auch, dass Messreihen selten genau die vom Naturgesetz geforderten Werte zeigen. Erst sehr viele Messdaten näheren sich den geforderten Werten an.

Wir haben unsere Zelte zwar nicht unbedingt auf Sand gebaut, in einem restlos determinierten und stabilen System leben wir allerdings nicht. Und nur weil dem so ist, ist Evolution möglich. Warum ist das so? Wieso kann nicht davon ausgegangen werden, dass in einem „Uratom“ schon festgelegt war, was alles im Laufe der Zeit erscheinen wird? Der Grund wurde schon genannt. Denn Evolution heißt ja nicht nur Abfolge von Phänomenen, was durch den Fossilbefund in zeitlich deutlich voneinander getrennten Schichten dokumentiert ist. Evolution fordert als naturwissenschaftliche Theorie auch ein Modell, das die Mechanismen nennt, welche die Evolution bewirkt. Wenngleich das Wort „Mechanismen“ an die klassische Physik erinnert, so dürfte doch die moderne Physik keinen geringen Anteile am Prozess des wesentlich durch Mutation und Selektion gewordenen und sich ändernden Lebens haben. Abgesehen von der Abiogenese – die gesondert zu behandeln wäre – sind es ja Änderungen am Erbgut, welche Mutationen in Gestalt veränderter Phänotypen auslösen. Dass diese durch energiereiche elektromagnetische Strahlung ausgelöst werden können, dürfte bekannt sein. Man spricht von zufälligen Änderungen der molekularen Struktur des Erbgutes (DNS). Diese zufälligen Änderungen bilden den indeterminierbaren Anteil am Evolutionsgeschehen. Da wir uns hier im Mikrokosmos bewegen, könnten Quanteneffekte, die ohnehin originär indeterminert sind, hineinwirken. So mag es sein, dass veränderte Phänotypen ausgeprägt werden, die fast analog dem berühmten Katzenmodell von Schrödinger, ein Quantengeschehen in den Mesokosmos transportieren. Nehmen wir es ganz genau, so können wir uns eigentlich vom unseligen Begriff des Zufalls verabschieden und müssten stattdessen von Unschärfen und Freiheitsgraden reden. M.E. kann auch ein agnostischer Ansatz gelten, da uns das eigentliche Sein der Quantenobjekte verschlossen bleibt. Wir haben hier also eine Erkenntnisgrenze und können nicht „hinter die Dekohärenz“ schauen.

Endlich möchte ich nunmehr zum Thema kommen, das aber m.E. die o.g. kurzen und einfachen Erklärungen erforderlich machte, wie wir gleich sehen werden. Intelligent Design (ID) krankt v.a. an Modelldefiziten. ID lebt vom Analogieschluss (siehe Klassiker Paley, dessen Uhrengleichnis übrigens dem mechanistischen Weltbild angehört), der Kritik an der Theorie der transspezifischen Evolution mithin von Erklärungsdefiziten (argumentum ad ignorantiam) hinsichtlich der Mechanismenfrage derselben. Eine umfangreiche Darlegung darüber kann beim Inhaber dieses Blogs auf dessen HP nachgelesen werden. Laienhaft ausgedrückt, kann ID nicht erklären, wann welcher oder welche Designer wo und wie die Lebewesen designed hat oder haben. Über das „Wann“ kann näherungsweise die radiometrische Datierung Auskunft geben, „Welche“ oder „Welcher“ Designer darf (und muss) ID m.E. offen lassen um keine bestimmten Weltanschauung bzw. Religion zu propagieren (das wäre naturwissenschaftlich auch nicht zulässig, da wir im Sinne der Freiheit von Forschung und Lehre keine islamische, christliche, buddhistische, marxistische, usw. Naturwissenschaft dulden dürfen) und das „Wo“ ist trivial. Der springende Punkt ist das „Wie“, was ich oben schon als Erklärungsdefizite angedeutet habe. Über dieses „Wie“, also der Mechanismenfrage, liefern die Evolutionstheorien – es gibt mittlerweile einige mehr als zu Darwins Zeiten – Modelle, d.h. Erklärungen. ID fehlen die Modelle. Das ist ja auch der Grund, weshalb die Evolutionstheorien weltweit den Standard bilden.

ID müsste, um mit den Theorien zur transspezifische Evolution (die kladistisch bis zu den Familien hinaufreichende spezifische Evolution oder Variation ist allgemein unstrittig) auf gleicher Höhe zu kommen, ein Modell ausarbeiten und der naturwissenschaftlichen Community anbieten, welches Erklärungen über das „Wie“ aufzeigt. Wäre das überhaupt möglich?

Ich denke, es wäre möglich. Ein solches Modell müsste m.E. die spezifische Evolution als Spezial- oder Grenzfall eines umfassenderen ID-Konzepts enthalten. D.h. die bekannten Mechanismen sind durchgängig als gültig anzusehen, aber um „designende Mechanismen“ zu erweitern. Hier nun startet das zu erbringende ID-Modell. Da mir die ETn zumindest derzeit noch plausibler erscheinen, bin ich kein Anhänger von ID. Dennoch möchte ich hier einmal ganz grob spekulieren, wie man sich eventuell ID vorstellen könnte.

Wie weiter oben angesprochen, wissen wir um die Mutationen, die durch energiereiche, d.h. kurzwellige elektromagnetische Strahlung verursacht werden können. Wenn wir nun annehmen, dass derlei auch gezielt möglich ist, so könnte hier bereits ein Erklärungsansatz für ID vorliegen. Strahlungsquellen sind im Universum und auch irdisch in Fülle vorhanden. Wir kennen sogar exakt gepulste Strahlungsquellen (Quasare, Pulsare). Ein oder mehrere Designer könnten sich z.B. Sonnenstrahlung und kosmische Höhenstrahlung zunutze machen und diese fein abstimmen um damit via gepulsten Röntgenlaser gezielt Nanostrukturen zu schaffen oder zu beeinflussen. Stark vereinfacht kann man sich das vorstellen wie die Herausbildung sog. Klangfiguren in der Akustik (Mehlstaub auf dem Lautsprecher ergibt bei harmonischem Schall z.T. ästhetisch anmutende Muster). Das soll jetzt kein neues Analogieargument im Sinne der Widerlegung von Paleys Ansichten sondern nur eine Vorstellungshilfe sein. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Biophotonenforschung. Schon Erwin Schrödinger hatte sich ja die Frage nach den synchronisierenden Mechanismen bei der Mitose gestellt und die Ontogenese ist noch weit mehr betroffen hinsichtlich der Koordination und Synchronisation der Morphogenese. Hier könnte ein Modell das „Designen“ vielleicht sogar beobachtbar machen, sofern man die Ontogenese überhaupt mit einbeziehen möchte. Seltsamerweise haben alle Zellen Ausmaße, die mit den Wellenlängen des Lichts korrelieren könnten. Moleküle – besonders für die Abiogenese interessant – entsprechen natürlich kürzeren Wellenlängen. Für alle die erforderlichen Strahlungsformen und –intensitäten sind im Universum unzählige spezifische Planckoszillatoren vorhanden, die ein Designer sich nutzbar machen könnte. Natürlich erklärt das nicht hinlänglich das „Wie“, aber das ist ja bei der transspezifischen Evolution auch nicht der Fall. Man kann ja auch kein hinlängliches und womöglich labortaugliches Modell haben, weil das ja sofort wieder den Analogieschluss provozieren würde („wir machen das im Labor und deswegen macht das der Designer im größeren Maßstab auch“). Man hätte aber – entsprechende Ausarbeitung vorausgesetzt - ein Modell.

Wie sieht es aber mit dem Kardinalkriterium für Wissenschaftlichkeit – der prinzipiellen Falsifizierung – aus? Evolution als solche lässt sich falsifiziern durch Aufzeigen mehrere chaotischer Fossilbefunde, d.h. – plakativ formuliert – z.B. durch Aufzeigen von Säugerüberreste zusammen mit den Fossilien aus dem Burgess Schiefer oder ähnlichem. Aber kann man auch die transspezifische Evolutionstheorie falsifizieren, d.h. kann man widerlegen, dass allein wesentlich durch Mutation und Selektion die transspezifischen Evolution geschah? Der Verweis auf die belegte spezifische Evolution könnte unzureichend sein und zu einem ähnlichen Dilemma führen wie die klassische Mechanik in der Physik, wenn man versucht diese makro- oder mikrokosmisch anzuwenden. Gewiss, die Defizite des einen Modells stützen nicht automatisch ein anderes Modell. Aber es könnte bei saubere Formulierung eines ID-Modells m.E. durchaus eine Alternativerklärung geliefert werden.

Was aber ist bei gezieltem Design dann noch von der o.g. Freiheit bzw. der Unschärfe zu halten (den überstrapazierten Begriff Zufall wollen wir auch hier besser beiseite lassen)? Rutschen wir hier nicht doch wieder in einen Determinismus hinein, determiniert vom Designer? Diese Frage können wir nicht beantworten ohne den Designer mit Eigenschaften von Superlativen der Allmacht bis zum tastenden Experimentator zu befrachten. Das aber wollen wir ja vermeiden um nicht einer speziellen Weltanschauung Vorschub zu leisten. Tatsache ist aber, dass es diese Unschärfen gibt und der Designer sie daher entweder gewollt oder als Bedingung vorgefunden hat, die er möglicherweise mit in seinem Konzept benutzt um evtl. die freie Entfaltung seiner durch punktuelle Anstöße in Gang gebrachten oder kanalisierten Schöpfung zu bewirken.

Alte ForumsleserInnen haben vmtl. erkannt, dass ich hier im Grunde das von dem Poster mit dem Aliasnamen „Dreisam“ seinerzeit eingebrachte sog. Pit-Stop-Design verwendet habe, dieses aber etwas abänderte und mit möglichen Erklärungsansätzen „garnierte“. Das Pit-Stop-Design geht davon aus, dass zu bestimmten Zeiten die Lebewesen vom Designer weggenommen werden (zum Pit-Stop) modifiziert werden um dann wieder in die Natur entlassen zu werden. Dieses geschieht in Zeiten unterbrochenen Gleichgewichts, es IST nichts anderes als diese Unterbrechung – nur intensiver als von der Hypothese gefordert.

In der Hoffnung, durch diesen Beitrag eine Diskussion anzustoßen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Egon

Bremen, 12.Januar 2008

10 Reaktionen zu “Gastbeitrag: Könnte Intelligent Design wissenschaftlichen Status erlangen?”

  1. nabil

    Hierzu ein paar Anmerkungen. Zunächst einmal: wenn wir an eine Schöpfungslehre die Forderung stellen, sie müsse erklären “wie” der Schöpfer etwas geschaffen hat, dann muss diese Forderung auch für die Evolutionslehre gelten.

    Persönlich gehe ich sogar weiter und sage: wenn ich von spontaner Schöpfung ausgehe, dann muss ich nicht verstehen, was im Einzelnen passiert ist. Ich könnte noch nicht einmal davon ausgehen, dass im Moment der Schöpfung die heute bekannten Naturgesetze gegolten haben, da es nichts gibt, was diese Annahme zwingend macht.

    Wenn wir dagegen von einem irgendwie gearteten Evolutionsmodell ausgehen, dann geschieht Schöpfung in Raum und Zeit und somit im Rahmen der bekannten Naturgesetze. Man könnte höchtens noch annehmen, dass zusätzliche Wunder möglich sind.

    Zur “Wie” Frage gibt es im Rahmen der Evolutionstheorie zwar Konzepte, deren Wirksamkeit lässt sich aber nur in Bezug auf Mikroevolution praktisch überprüfen.

    Anders formuliert ist die Frage letzlich, ob Makroevolution nichts weiter als der verlängerte Arm der Mikroevolution ist oder etwas grundsätzlich anderes, was auch andere Konzepte benötigt.

    Da sich die Erdgeschichte wohl kaum anders deuten lässt, als dass Makroevolution stattgefunden hat und gleichzeitig bekannt ist, dass Mikroevolution funktioniert, könnte man leicht den Schluss ziehen, dass damit ja wohl alles klar ist.

    Allerdings müsste man strenggenommen doch nachweisen, dass eine solche Extrapolation nicht ein Trugschluss ist.

    Selektion verändert und optimiert das, was vorhanden ist. Wie aber entstehen neuartige Konzepte? Ist es tatsächlich möglich, durch Selektion von “Kopierfehlern” zu ganz neuen Konstruktionen zu gelangen?

    Hier ein Abschnitt aus einer Mail von mir an Reinhard Junker:

    “Aus dieser Perspektive betrachtet ist auch Softwareentwicklung
    Evolution. Man beginnt das Programm zu schreiben und ergänzt es.
    Vielleicht nimmt man im Team eine neue Position ein und der neue
    Entwickler muss sich in den vorhandenen Code einarbeiten und ihn
    debuggen und um neue Funktionalitäten erweitern.”

    Ich habe jedenfalls noch nie ein neues Programm so geschrieben, dass ich irgendwelche Zeilen rein zufällig geändert habe. Das würde sofort ein Chaos geben (abgesehen davon, dass der Compiler mit irgendwelchen Errors abbrechen würde).

    Was wäre, wenn sich herausstellt, dass Mutationen gar nicht die Quelle ist, aus der sich die neuen Konzepte aufbauen? Dies mag ein ketzerischer Gedanke sein, aber mir stellt sich ganz einfach diese Frage.

    Dreisams “Pit-Stop-Design” beruht auf meinen Überlegungen. Ich habe damals laut darüber nachgedacht, ob es nicht sein könnte, dass Gott bereits bestehende Konzepte bewusst abgewandelt hat. Das wäre dann tatsächlich ein “unterbrochenes Gleichgewicht”.

    Ich sah damals zwei Möglichkeiten: entweder Gott nimmt eine genetischeVeränderung in einem Organismus vor (so dass ein neuer Organismus A’ tatsächlich von A abstammt) oder aber er baut eine neuen Organismus B’ aus B, sodass B’ zwar auf dem bereits vorhandenen Konzept B beruht, deren Nachfahren jedoch nicht von B abstammen.

    Beide Varianten wären letztlich Möglichkeiten, die wir als “ID” bezeichnen würden.

    Allerdings sehe ich jetzt ein weiteres Problem, was mir damals noch nicht deutlich war: findet nicht Evolution immer dann statt, wenn sich die Umwelt ändert? Nun werden Anpassungen erforderlich und die Organismen wandeln sich.

    Würde man im Konzept von ID aber nicht erwarten, dass der Designer frei ist, seine Geschöpfe zu verändern wann immer er es möchte?

    Man könnte jetzt vielleicht argumentieren, dass der Designer nur dann wenn sich die Umwelt ändert, überhaupt die Notwendigkeit sieht, aktiv einzugreifen.

    Ich ziehe daher mein persönliches Zwischenergebnis: Evolution findet statt, aber dass wir sie wirklich bereits vollständig verstanden haben, wage ich zu bezweifeln.

    Frank

  2. Egon

    @nabil

    Der Theorie der Evolution liegt ja ein grundsätzliches Modell, nämlich das der Mutation, Evolution. Isolation, usw. zugrunde. Dieses Modell ist bei der spezifischen Evolution als verifiziert zu betrachten und kann seines Gegenstandes (der Lebewesen) wegen daher nicht völlig anders sein als bei der transspezifischen Evolution. Allerdings – und das habe ich ja auch geschrieben – ist es unvollständig. Bei ID haben wir aber derzeit überhaupt kein Modell, sondern nur den Analogieschluss, d.h. der aus dem Vergleich von aus humaner Kreativität resultierenden Artefakten mit natürlichen Phänomenen resultierende Schluss, es müssten auch diese „gewerkelt“ worden sein. Es fehlt schlicht und einfach ein Modell dieses „Werkelns“, denn die Art und Weise des Erschaffens von Dingen durch Menschen ist eine gänzlich andere als die des Hervorbringens und Änderns von Lebewesen (1-Generationssystem versus n-Generationensystem – siehe hierzu den Text von Thomas Waschke über ID auf seiner HP).

    Wenn man von spontaner Schöpfung ausgeht, kann man höchstens noch darüber nachdenken, was diese Spontaneität bewirkt haben könnte – einem Modell dürfte das m.E. wenig zuträglich sein.

    (Nabil) „Wenn wir dagegen von einem irgendwie gearteten Evolutionsmodell ausgehen, dann geschieht Schöpfung in Raum und Zeit und somit im Rahmen der bekannten Naturgesetze. Man könnte höchstens noch annehmen, dass zusätzliche Wunder möglich sind.“
    Das Problem besteht darin, dass ID – ganz zu schweigen von Kreationismus – mit dem Anspruch auf Naturwissenschaftlichkeit auftritt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss natürlich im Rahmen unseres intersubjektiv begrenzten Erkenntnisvermögens – das übrigens durch die Evolution unseres Gehirns gegeben ist – gezeigt werden, wie intelligentes Design eventuell möglich sein könnte. Das setzt natürlich Raum, Zeit und die uns bekannten Naturgesetze voraus, die aber m.E. durchaus Anomalien via Quanteneffekte nicht gänzlich unmöglich machen (es gibt Quantenphänomene bis hinauf zu 60-atomigen Fullerenen). Wer sich für Wunder interessiert, möge Wilhelm Schamoni (Kleriker), Harald Grochtmann (Jurist), usw. lesen, sollte dabei aber seinen Sinn für Skepsis nicht ausschalten. Ob z.B. einst in Calanda einem Menschen ein amputiertes Bein auf wundersame Weise wieder anwuchs, mag glauben, wer will – David Hume (Politiker und Philosoph) hat es sehr skeptisch gesehen, Grochtmann akzeptiert es als Wunder. Doch genug davon.

    (Nabil) „Allerdings müsste man strenggenommen doch nachweisen, dass eine solche Extrapolation nicht ein Trugschluss ist. Selektion verändert und optimiert das, was vorhanden ist. Wie aber entstehen neuartige Konzepte? Ist es tatsächlich möglich, durch Selektion von “Kopierfehlern” zu ganz neuen Konstruktionen zu gelangen?“

    Der Begriff „Fehler“ ist m.E. anthropomorph, die Natur kennt ihn nicht. Wir können nicht wissen, ob etwas, das wir als fehlerhaft wahrnehmen, in einem uns unbekannten Szenario ein Vorteil wäre. Gewiss – wenn wir die Tragödien sehen, die Thalidomid (Contergan) bei schwangeren Frauen ausgelöst hat, drängt sich der Verdacht auf, genetische Veränderungen sind grundsätzlich schädlich oder wenn wir an entartete Zellen denken, die zu Tumoren heranwachsen (mitunter zu sog. Monstertumoren mit Haaren und Zähnen). Diese beeindruckenden Phänomene haben aber nichts mit Evolution zu tun, da derlei nicht vererbt wird. „Neue Konstruktionen“ liegen bei genauerer Betrachtung auch nicht vor. „Neu“ wäre nach meinem Verständnis das 1-Generationensystem, etwas also, das ohne Vorgänger entsteht. Die erste Kolbendampfmaschine z.B. hat keinen Vorgänger (Windmühlen z.B. funktionieren ganz anders) sondern verweist nur auf Erfahrungen aus der Mechanik (Rad, Hebel) und der Kraft des Gasdruckes (Heronsball). Das erste Lebewesen, was man z.B. als Vogel bezeichnen könnte, weist die grundsätzliche Anatomie früherer Reptilien auf, ist also so neu nicht. Wenn aber Intelligent Design am Werke war, so muss es sich des Prinzips der Wiederverwendbarkeit bedient haben, der Erweiterung des schon Vorhandenen. Dieses muss in einer Art und Weise geschehen sein, dass sich für uns der Eindruck einer Evolution ergibt. Watt oder Newcomen haben ihre ersten Dampfmaschinen durch Kombination von Erfahrungen in ihren Hirnen entwickelt. Warum sollte eine ähnliche – wenn auch über die Zeit schrittweise (in n-Generationen) geschehene – Kombination nicht auch außerhalb von Gehirnen möglich sein? Das Geschehen innerhalb der Gehirne ist ein natürlicher Prozess, eine Erfindung daher nichts Un- oder Übernatürliches. Allerdings gestehe ich in Bezug auf Gehirne einen möglichen Einwand zu, der aus einer m.E. allzu reduktionistischen Betrachtungsweise entstehen könnte und in der Frage ausgedrückt werden kann: Wie kann man in der Neurobiologie verhindern, dass sich der Laplacesche Dämon der Determiniertheit allen Geschehens einschleicht? Bei allem Respekt: Hier gehen Hirnforscher wie Wolf Singer vielleicht etwas zu weit, die meinen, es könne überhaupt keine Freiheit im Denken geben, weil ja alles Denken nur ein Geschehen sei, was sich in Synapsen und axonaler bzw. dendritischer Verästelung ereigne und dieses ja naturgesetzlich determiniert sei. Ähnliche Probleme des Reduktionismus sehe ich auch in der Evolutionsbiologie. Zunächst sind Ergebnisse, welche den Schluss einer nahezu vollständigen Erklärbarkeit nahe legen, als fast schon allerklärlich (omniexplanatorisch) hochwillkommen und erst später findet man heraus, das dem doch nicht so war. Hier liegt m.E. auch ein Problem hinsichtlich plakativer Darstellungen in den Medien.

    (Nabil) Hier ein Abschnitt aus einer Mail von mir an Reinhard Junker:
    “Aus dieser Perspektive betrachtet ist auch Softwareentwicklung
    Evolution. Man beginnt das Programm zu schreiben und ergänzt es.
    Vielleicht nimmt man im Team eine neue Position ein und der neue
    Entwickler muss sich in den vorhandenen Code einarbeiten und ihn
    debuggen und um neue Funktionalitäten erweitern.”

    Dahin geht im weitestes Sinne auch mein spekulativer Ansatz. Das „Werkzeug“ verorte ich in den Kosmos und die Durchführung besteht in der Manipulation materieller Strukturen via elektromagnetischer Strahlung. Diese Spekulation – ein tragfähiges Modell ist es noch lange nicht, ein solches wäre ggf. noch zu erarbeiten – hat m.E. etwas Erhabenes. Zum einen kommt darin die große Einheit allen universellen Geschehens zum Ausdruck und zum anderen sehen wir im Sternenhimmel jenes „Werkzeug“, das die Macht des Intelligent Designs hinterlassen hat, um uns vielleicht den Riesenaufwand mitzuteilen, den wir dieser Macht wert waren und sind. Da ist dann kein kaltes Universum von einander losgelösten Phänomenen mehr – da gehört alles zusammen und der vermeintliche „Zigeuner am Rande des Universums“ (Monod) wird zwar nicht Mittelpunkt, aber doch wichtiges Bestandteil eines größeren Ganzen. Keineswegs dürfen wir dieses Geschehen als schon vollendet betrachten, es weist zwar auf uns, aber auch über uns hinaus: creatio continua

    (Nabil) „Ich habe jedenfalls noch nie ein neues Programm so geschrieben, dass ich irgendwelche Zeilen rein zufällig geändert habe. Das würde sofort ein Chaos geben (abgesehen davon, dass der Compiler mit irgendwelchen Errors abbrechen würde).“

    Naja, die großen Impakte (Meteore oder Kometen) dürften schon einiges durcheinandergebracht haben. Der Intelligent Designer (ich gehe hier ganz willkürlich von einem aus, es könnten auch mehrere sein) arbeitet offensichtlich mit einer Dialektik aus Chaos und Kosmos. Vor jeder „neuen Runde“ gibt es erst mal ein Tohuwabohu. Und das könnte sogar ein implizites Merkmal überhaupt sein, wenn wir an die Quanteneffekte denken, die sich uns oft nur über die Statistik erschließen. Es mag ja ein gewisses Chaos auch bei den Mutationen gelten, bis jenes von mir spekulierte kosmisches Strahlenbündel eine Dynamik veranlasst, die das Geschehen in eine bestimmte Richtung lenkt: Elektromagnetisch induzierter teleonomischer Negentropiehub.

    (Nabil) „Was wäre, wenn sich herausstellt, dass Mutationen gar nicht die Quelle ist, aus der sich die neuen Konzepte aufbauen? Dies mag ein ketzerischer Gedanke sein, aber mir stellt sich ganz einfach diese Frage.“
    Mutationszenarien sind nach meinem spekulativen Vorschlag zugunsten von ID ja auch nicht die Quelle sondern nur der Ort des Primärgeschehens kosmischer Intervention. Natürlich wäre auch ein „Arrangement“ selektionsintensiver Szenarien möglich. Das aber würde das Modell noch mehr befrachten und vielleicht auf eine Alldeterminiertheit durch ID hinauslaufen, auf ein kosmisches Theaterstück, das nach einem genau festgelegten Textbuch abliefe und damit am Ende den Vorstellungen gliche, welche wir v.a. mit der Erweiterung der Physik durch die QM hinter uns gelassen haben. Ich erlaube mir, an dieser Stelle auf das Buch „Einstein und der würfelnde Gott“ Untertitel: „An den Grenzen des Wissens in Naturwissenschaft und Theologie“ von Dieter Hattrup, erschienen bei Herder, hinzuweisen. Hattrup ist promovierter Naturwissenschaftler und Mathematiker (ein Schüler C.F. von Weizsäckers, dem er auch ein Buch gewidmet hat) und habilitierter Theologe.

    (Nabil) „Dreisams “Pit-Stop-Design” beruht auf meinen Überlegungen. Ich habe damals laut darüber nachgedacht, ob es nicht sein könnte, dass Gott bereits bestehende Konzepte bewusst abgewandelt hat. Das wäre dann tatsächlich ein “unterbrochenes Gleichgewicht”.“

    Pardon, ich hatte Deinen Namen in meinem Beitrag vergessen. Du hast natürlich recht. Dreisam, der gute Mann mit strengen „nihil obstat“ Urteilen im alten Forum, hat das von Dir übernommen.

    (Nabil) „Ich sah damals zwei Möglichkeiten: entweder Gott nimmt eine genetischeVeränderung in einem Organismus vor (so dass ein neuer Organismus A’ tatsächlich von A abstammt) oder aber er baut eine neuen Organismus B’ aus B, sodass B’ zwar auf dem bereits vorhandenen Konzept B beruht, deren Nachfahren jedoch nicht von B abstammen.“

    Und alles, was ich dazuspekuliere ist nur ein Ansatz über das „Wie“ unter Nutzbarmachung chaotischen Geschehens, denn ich hebe keine Unschärfen auf sondern integriere diese.

    (Nabil) “Allerdings sehe ich jetzt ein weiteres Problem, was mir damals noch nicht deutlich war: findet nicht Evolution immer dann statt, wenn sich die Umwelt ändert? Nun werden Anpassungen erforderlich und die Organismen wandeln sich.”

    Richtig – aber es geht ja um das „Wie“ dieser Anpassung, um das zeitlich ausreichend schnelle Reagieren. Da tut sich ein reiner Gradualismus m.E. schwer. Hier „verpasst“ dann „mein Designer“ dem Mutationsgeschehen einen „Booster“ und „hebt“ die Organismen über Hürden. Im übrigen besteht viel Umwelt selber aus Lebewesen. An dieser Stelle könnte der Einwand eines Lückenbüßers gebracht werden, der immer nur dann tätig wird, wenn es auf „natürliche Art“ nicht weiter geht. Ich gehe hier ja nicht vom biblischen Gott aus, der alles macht – sonst würde ich Pater Pierre Teilhard de Chardin SJ bemühen, der hatte da bessere Argumente. Am Lückenbüßerargument scheint auf den ersten Blick meine ganze Spekulation zu kranken. Es sieht tatsächlich so aus, als würde meine Spekulation nur die Erklärungslücke füllen wollen, die durch die derzeitigen Erklärungsdefizite besteht. Das ist aber bei näherer Betrachtung nur eine mögliche Sicht, denn ich habe nicht die Absicht Lücken zu schließen, sondern mit einer Erklärung via ID die bestehenden gesicherten Kenntnisse zu erweitern. Lücken wird es immer geben und sei es beim Quantensprung. Es ist ja auch nicht die Metaphysik, die hier aushelfen soll, sondern es sind naturalistisch vorstellbare Prozesse, deren sich freilich ein naturalistisch nicht mehr fassbarer Designer bedient. Die Nichtfassbarkeit des Designers aber ist auch notwendig, um alle bestehenden Denkrahmen (Atheismus, Theismus, Agnostizismus, usw.) weiterhin zu erlauben und mithin der Freiheit unseres Denkens oder Geistes zu genügen. Ein möglicher Glaube ist ja m.E. auch nur dann etwas wert, wenn er der Freiheit unserer Entscheidung entspringt und nicht irgend einem Zwang.

    (Nabil) „Würde man im Konzept von ID aber nicht erwarten, dass der Designer frei ist, seine Geschöpfe zu verändern wann immer er es möchte?“

    Das geht mir schon zu weit, denn in meiner Spekulation wissen wir nicht, wer oder was der Designer ist oder wie weit seine Macht reicht. Es geht nur darum, über die Möglichkeiten eines Modells nachzudenken, welches überhaupt ID unter naturwissenschaftlichen Aspekten eventuell einmal „salonfähig“ machen könnte in den Gefilden universitärer Fakultäten.

    (Nabil) „Ich ziehe daher mein persönliches Zwischenergebnis: Evolution findet statt, aber dass wir sie wirklich bereits vollständig verstanden haben, wage ich zu bezweifeln.“

    Das geht m.W. auch konform mit dem gegenwärtigen fachwissenschaftlichen Standard.

    Mit freundlichen Grüßen
    Egon

    Bremen, 17.Januar 2008

  3. Odyssee

    Hallo Egon,

    “Der schwache (methodologische; Anm. Ody.) Naturalismus schließt einen transzendenten Seinsbereich nicht aus, sondern behauptet (!) nur, dass für das Verständnis des Kosmos auch in den höheren Entwicklungsstufen (Leben, Bewußtsein, Erkennen) supernaturale Faktoren nicht gebraucht werden (ontologische Sparsamkeit)” (1), dies “aufgrund der Erfahrung (!), dass nichts Objektives für eine transzendente Wirklichkeit spricht” (2). Daraus ergibt sich eine bedeutsame Konsequenz: Der Ausschluß der Teleologie, des Prinzips der Zielgerichtetheit, als Erklärungsprinzip der Natur. Oben genannte Behauptung konkretisierend meint D. Dennett, daß “die Evolutionslehre die Welt der Bedeutung, des Sinns, der Ziele und der Freiheit mit der Welt der Naturwissenschaft vereint” (3). Hier liegt also de facto eine Vermittlung einer naturwissenschaftlichen Theorie mit interpretativen Begriffen, kurzum die Transformation der Evolutionstheorie zu dem vor, was Kritiker nach meiner Ansicht zu Recht mit dem Terminus “Evolutionismus” kennzeichnen. Die Welt als geschlossener Kausalzusammenhang - exakt in dieser Behauptung besteht das besagte weltanschauliche, also dem Naturalismus als Ontologie (”Die Natur ist alles”) entlehnte Spurenelement. Soweit das Destillat. Diese Behauptung ist indes als s o l c h e bereits ein Indikator für die S u b j e k t i v i t ä t “der Erfahrung, dass nichts Objektives für eine transzendente Wirklichkeit spricht”, einer Erfahrung also, die nicht privilegiert die naturwissenschaftliche Erfahrung mit ihren Charakteristika der Quantifizierbarkeit, Reproduzierbarkeit, Prognosefähigkeit meint, sondern die, der ein Subjekt passiv ausgesetzt ist oder aktiv macht. Mit in einem ontologisch aseptischen methodologischen Naturalismus als Denkvoraussetzung gegründeter naturwissenschaftlicher Forschung und Methode vermag man indes lediglich darauf zu stoßen, daß die in einer Hypothese bzw. Theorie (wie der Synthetischen Evolutionstheorie) formulierte Interpretation der Forschungsresultate den empirischen Forschungen nur bedingt oder nicht entsprechen bzw. standhalten, mithin die Wirklichkeit als solche demnach komplexer und umfassender ist als die Theorie über die Wirklichkeit aussagt. Die methodische Exaktheit der Naturwissenschaft, die im sog. Hempel-Oppenheim-Schema besteht, ist nämlich ihrerseits schon ein Grenzindikator naturwissenschaftlicher Forschung. Demgemäß gilt ein Ereignis B als erklärt, wenn zwischen ihm und einem (oder mehreren) vorhergehenden Ereignis A ein gesetzmäßiger Zusammenhang aufzuweisen ist. A gilt dann als Ursache von B. Es ist nicht zu bestreiten, daß dieses Erklärungsschema für zahlreiche Ereignisse und Prozesse brauchbar ist. Es stößt jedoch an drei wesentliche Grenzen:

    1. Es ist mit dem menschlichen Handlungsbegriff vermittelt. Der Mensch setzt interessegeleitet ein B als zu erklärendes Ereignis, variiert dann ebenso diverse Ausgangsbedingungen A, um zu sehen, ob sich dabei B mitverändert. Durch den gesetzmäßigen Zusammenhang ist dann die Relation zwischen beiden so hergestellt, daß der Mensch, wenn er B haben will, lediglich noch A machen muß. Für die Forschungspraxis also ist dieses Schema brauchbar; aufgrund der interessegeleiteten Setzungen A und B wird aber über das S e i n von B nichts ausgesagt, sondern lediglich, unter welchen Bedingungen sein In-Erscheinung-Treten steht.

    2. Dadurch, daß in diesem Erklärungsschema das Sein der Phänomene gar nicht zur Sprache kommt, kann dieses Sein freilich auch nicht dem Schema gemäß er-klärt werden. Materie und Naturgesetze, Mutation und Rekombination sowie Selektion usw. sind interesserelevante Prinzipien für physikalisch-chemische Vorgänge. Sie erklären indes nicht das Auftreten von Leben als solches, von Bewußtsein, reflexivem Denken, Sittlichkeit etc. Wer dies dies dennoch für möglich hielte, verwechselte die philosophischen Termini Ur-Sache und Ur-Grund, resp. identifizierte irrtümlicherweise Gewordensein und Sein (R. Spaemann).

    3. Ferner ist der Grundakt des Menschen als Geist-in-Welt-Sein nicht der Kausalschluß von B auf A oder vom Endlichen auf das Absolute (dies übrigens gegen R. Dawkins Argumentationsfigur des infiniten Regresses), sondern der erkenntnistheoretisch aufweisbare transzendentale (vorempirische) Vorgriff auf das Sein überhaupt als Bedingung der Möglichkeit aller isolierenden wie regional eingrenzenden, mithin methodischen Welt- und Selbstzugriffe des Subjekts (K. Rahner 1976, pp. 26-34 insonderheit).

    An dieser Stelle ist darauf zu verweisen, daß der Evolutionismus sich wesentlich unterscheidet von der Evolutions t h e o r i e als integraler Bestandteil der Evolutionsbiologie, so wie sie von Ch. Darwin zuerst in seinem Hauptwerk formuliert wurde und darüber hinaus auf die geologisch-paläontologischen Befunde, die außerhalb der Deszendenztheorie als Teiltheorie der Synthetischen Evolutionstheorie freilich bloße Kuriositäten blieben: Das erdgeschichtlich gestaffelte Auftreten verschiedener Lebensformen, die einander vielfach ähnlich sind bis hin zu Abstammungsreihen, die eine Kontinuität der Formen nahelegen, sodaß an der Kongruenz horizontaler (also gleichzeitiger) wie vertikaler (also evolutionärer) Verwandtschaft der Lebewesenarten kaum Zweifel angebracht sind. Selbiges ist für molekularbiologische Daten der Gensequenzen, Enzyme und Hormone etc. zu konstatieren. Der Evolutionsprozeß ist indes - wie oben skizziert - nicht als ein Hervorgehen des Bedingten aus den Bedingungen zu verstehen, sondern in naturphilosophischer Perspektive als das Einrücken von Materiellem in Artlogoi (Ideen), ohne daß von einem A u s einander im kausal-empirischen Sinn gesprochenwerden kann.

    “Wo Naturwissenschaft zur Philosophie (zum Evolutionismus; Anm. Ody.) wird, ist es die Philosophie, die sich mit ihr auseinandersetzen muß” (Benedikt XVI.). Diese Verortung des Diskurses, mithin die Einordnung des ID-Konzepts (und PSD-Modells) als Korrektive in den Kontext der Naturphilosophie, könnte manchen (Schein-)konflikt entschärfen: Nicht graduelle Erkenntnislücken mit einem daraus resultierenden argumentum ad ignorantiam, sondern prinzipielle Grenzen des methodischen Zugriffs der Naturwissenschaft bilden den zentralen Ansatzpunkt einer ebenso kritischen wie konstruktiven Begleitung ihrer Theoriebildung und -weiterentwicklung wie ihrer Denkvoraussetzungen. Das Verhältnis zwischen naturwissenschaftlicher und naturphilosophischer Reflexion mag die von R. Spaemann formulierte Analogie der Doppelcodierung veranschaulichen: Es gibt materielle Träger, die Information in zweifacher Weise implizieren können. So kann ein systemfunktionaler Code die Entstehung verstehen lassen, ein zweiter Code indes eine ganz andere Botschaft enthalten. Beispiel: Eine Violin-Sonate von Bach, die nach kabbalistischer Decodierung der Noten einen lateinischen Text hergibt - die Musik der Sonate ist ein in sich kongruentes wie sinnvolles System. Wer komplementär aber nach einer weiteren Botschaft sucht, dem eröffnet sich eine Tiefendimension, die sich auf den ersten Code nicht reduzieren läßt. Damit ist zugleich ein Weg angedeutet, den bereits Augustinus und Thomas von Aquin gewiesen haben: Daß die Schöpfung in horizontaler wie vertikaler, also in evolutionärer wie transzendendentaler Weise verstanden werden muß, daß die göttlichen Schöpfungsgedanken für ihn zwar alle zugleich sind, daß sie aber dennoch in Verschränkung mit dynamischen Systembedingungen der Evolution (vgl. R. Riedl 1975) - also mit Zweit- oder Mitursachen, denen die kausale Evolutionsforschung zuzuordnen ist - in einem zeitlichen Nacheinander auftreten können.

    Mit diesem Ausblick möchte ich meine skizzenartige Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Ausgangslage künftiger Forschungs- und Diskussionsarbeit beschließen und meinerseits Deinen wie Thomas und Franks weiteren Beiträgen mit Spannung entgegensehen.

    Viele Grüße,

    Odyssee

    Anmerkungen

    (1) Kanitscheider, B. (2003) Naturalismus, metaphysische Illusionen und der Ort der Seele. Grundzüge einer naturalistischen Philosophie und Ethik. In: Zur Debatte. Themen der Katholischen Akademie in Bayern 1, 33 - 34 (2) Neukamm, M. : Philosophischer oder methodischer Naturalismus? Universalität und Mittelbeschränkung. In: Kutschera, U. (2007) Kreationismus in Deutschland. Münster, pp. 190 - 194
    (3) Dennett, D. (2005) Spiegel - Gespräch 52, pp. 148 - 150

    Literatur

    Horn, S. O./Wiedenhofer, S. (2007) Schöpfung und Evolution - Eine Tagung mit Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Augsburg

    Rahner, K. (1976) Grundkurs des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums. Freiburg im Breisgau

    Riedl, R. (1975) Die Ordnung des Lebendigen: Systembedingungen der Evolution. Berlin/Hamburg

  4. Egon

    Hallo Ody,

    endlich komme ich auch dazu, Deinen Beitrag zu kommentieren. Ich hatte ihn vor meinem letzten Beitrag bedauerlicherweise übersehen.

    Dawkins und Dennet sind m.E. keine guten Referenzen für die Evolutionsbiologie weil ihnen – gelinde gesagt – m.E. tatsächlich eine gewisse Ideologiehaftigkeit nicht abzusprechen ist. Die Ansichten dieser Leute und die ihnen entgegengesetzten der Kreationisten munitionieren sich m.E. gegenseitig, bilden eine unglückliche dialektische Einheit. Ich habe einen alten Text von Hoimar von Ditfurth „ausgegraben“, den ich in meiner Interpretation (lange oder viele Zitate könnten zu urheberrechtlichen Probleme führen) wiedergebe und dessen Inhalt Deine Gedanken vielleicht gar nicht so unähnlich sind. Doch dazu weiter unten.

    Dass „die Natur alles“ sei, kann nur ausgesagt werden, wenn wir den Naturbegriff verabsolutieren, wenn wir alles Seiende und Werdende als Natur auffassen. Damit wird dann aber der Naturbegriff obsolet, weil das Allseiende keine Bezeichnung tragen kann, da ja sonst ein Bezeichnendes außerhalb des Allseienden denkbar wäre. Selbst die Bezeichnung „Allseiendes“ wäre falsch, weil sie sowohl einen Bezeichner als auch ein Nichtseiendes dialektisch impliziert und sich somit in eine Dualität begäbe.

    Naturwissenschaft sollte von keinem anderen Interesse geleitet sein, als Naturerkenntnisse zu sammeln und sie zum Segen der Menschheit – soweit möglich – in technischen Anwendungen verfügbar zu machen. Das dieses oft mehr einem Ideal als der Realität entspricht, wissen wir spätestens seit den Giftgasentwicklungen im ersten Weltkrieg und dem sog. Manhattan-Projekt im zweiten. Tatsächlich kann man m.E. aber nicht willkürlicher einer Wirkung B eine Ursache A zuordnen, da zumindest eine Entsprechung zwischen Ursache und Wirkung bestehen muss. Man kann z.B. kein kleines rundes Loch in einer Fensterscheibe einem Schneeballbeschuß zuordnen, einer Gewehrkugel aber sehr wohl.

    Jetzt kommt aber eine Formulierung von Dir, die ich so (wie ich sie verstanden habe) nicht unterschreiben werde:
    „Der Evolutionsprozess ist indes - wie oben skizziert - nicht als ein Hervorgehen des Bedingten aus den Bedingungen zu verstehen, sondern in naturphilosophischer Perspektive als das Einrücken von Materiellem in Artlogoi (Ideen), ohne dass von einem A u s einander im kausal-empirischen Sinn gesprochen werden kann.“
    Nach meinem Verständnis gibt es nur Bedingtes – was ist denn bedingungslos? Auch dazu habe ich mir weiter unten Gedanken gemacht (Relationen). Wie soll man denn das „Einrücken von Materiellem in Artlogoi (Ideen)“ verstehen, wenn nicht als Prozess, der wie alle Prozesse Bedingungen unterworfen ist? Die Ideen wären in diesem Beispiel ja selber Bedingungen, nach denen das Materielle einrücken müsste. Das sieht mir auch ziemlich platonisch aus, denn das ganze hätte ja nur Sinn, wenn die Ideen VOR dem Materiellen da sind. Wie hat man das zu verstehen? Sind da irgendwelche virtuellen „Gefäße“ vorhanden, die dann mit Materie gefüllt, die Formenvielfalt der Welt ausmachen? Ganz zum Schluss (ich hatte ihn schon fertig, bevor ich diese Zeilen hier schreibe) dieses meines Beitrags habe ich mal wieder etwas spekuliert in der Richtung, alles sei schon vorhanden, nur wir waren noch nicht da. Kann man Deine Vorstellung in diese Richtung verstehen?
    Nicht nur Bibeltexte, sondern auch die Natur in mehreren Dimensionen oder Ebenen untersuchen, kann sinnvoll sein. Allerdings ist m.E. bei solcher „Doppelcodierung“ Vorsicht angebracht. Eine Vorsicht, die darauf hindeutet, etwas in die Phänomene hineinzuprojizieren, was originär nicht in ihnen vorhanden war. War Bach Kabbalist? Existieren Phänomene aus sich selber heraus? Diese Violinsonate von Bach z.B. existiert in vielfacher Abhängigkeit. Sie ist ein Produkt, sie ist von Instrumenten abhängig, von den Gedanken Bachs, von den Spielern, diese sind wiederum von ihrer Ausbildung und ihrer Gesundheit abhängig, usw. Wir sehen ein ganzes Netz von Relationen und wenn diese fehlen, gibt es auch keine Sonate. So gesehen, ist die Sonate gewissermaßen die Abbildung ihrer Relationen. Man könnte mal versuchen, die ganze Welt als eine irreduzierbare Komplexität zu begreifen (wenn sie uns denn ganz zugänglich wäre). Wenn man mit einer Zeitmaschine tausend Jahre in die Vergangenheit reisen würde und aus einem Gebäude einen Stein entfernte, so dass das Gebäude nicht sonderlich beschädigt würde; was würde das für Folgen haben? Jemand würde vielleicht das Fehlen des Steines entdecken und einen Ersatzstein einsetzen. Das aber würde eine ganze Kette von Bewegungen auslösen, die zu Folgen in der Zukunft führen würde. Vielleicht hätte dieser Jemand, wäre er nicht mit dem Beschaffen und Einsetzen des Steines beschäftigt, seine große Liebe gefunden, mit ihr Kinder gezeugt, die dann bestimmte Sachen gemacht hätten, usw. Machen wir es schwieriger: Wir reisen in die Vergangenheit und entfernen von einem einsamen Strand ein Sandkorn. Welche Auswirkungen könnte das für die nächsten Jahrmillionen haben? Hierzu könnte auch der berühmt berüchtigte Schmetterlingseffekt aus der Chaosforschung betrachtet werden. Doch jetzt zum Text, den ich in anderem Zusammenhang schon vorbereistet hatte:

    Ich habe neulich mal kurz in den Blog von C. Heilig geschaut. Heilig hat sich jetzt der Musik angenommen, in der er ein – wie er glaubt – weiteres Indiz gegen Evolution gefunden zu haben. In der Tat kann man seine Zweifel haben, wollte man annehmen, es gäbe eine Art evolutiver Spur von animalischen Grunzlauten und dergleichen bis zur „Pastorale“ von Beethoven. Genauso könnte man nach Ansätzen der RT oder QM in den Organisationsformen von Ameisenstaaten fahnden. Derlei bleibt ergebnislos. Wenn wir uns nun fragen, wie es unser Gehirn fertig bringt, derlei zu entdecken oder zu erschaffen, treffen wir derzeit aber auch nicht auf befriedigende Antworten, denn unsere Gehirne unterscheiden sich in ihrer grundlegenden Struktur nicht von denen der Schimpansen, Makaken, usw. Wir können zwar Bewusstseinszustände und Handlungsabläufe z.B. durch Elektrostimulation beeinflussen und diese daher mit bestimmten Arealen korrelieren, wie aber das Empfinden bewussten Seins zustande kommt, wie all das zusammengebunden wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir wissen, dass Speicherungsprozesse über bestimmte neuronale Verschaltungen und Synapsenstärken zustande kommen – aber Speicher sind kein Bewusstsein, sondern nur ein Reservoir, aus dem sich das Bewusstsein (selber bestehend aus mehreren Zuständen) bedient. Als bewusstseinsfähig wird nur der Isocortex bezeichnet, der deswegen so heißt, weil er sehr gleichmäßig in sechs Schichten von immer denselben Neuronentypen „bevölkert“ ist. Warum aber das ebenso gleichmäßig strukturierte Cerebellum (Kleinhirn mit den wunderschönen baumartigen Purkinjezellen) nicht bewusstseinsfähig ist, ist auch lt. G. Roth ein bislang ungelöstes Rätsel.

    Wir haben es mit Qualia zu tun, mit materiell nicht identifizierbaren Erleben, denn wir können ja schlecht behaupten, Musik sei identisch mit einem bestimmten elektrochemischen Geschehen in unserem Gehirn. Sie ist auch nicht identisch mit den physikalischen Bedingtheiten von Instrumenten, Wiedergabemedien, Verstärkern, Lautsprechern, usw. Auch der Schall, der auf unser Trommelfell trifft, ist keine Musik, sondern ein Ensemble longitudinaler Wellen von Luftdichteschwankungen, die durch Mechanorezeptoren in Nervenimpulse (die qualitativ nicht von Impulsen anderer Inputs unterscheidbar sind) umgesetzt unsere Hörrinde im Gehirn erreicht. Aber auch dort findet keine Musik statt. Man ist versucht, Dualist zu werden, dem sog. Psychischen einen Raum neben dem Materiellen zuzugestehen. Hoimar von Ditfurth vertrat eine solche Ansicht mit interessanten Argumenten, gleichwohl den Dualismus eines Eccles verwerfend. Nach HvD (er ist ein bisschen teleologisch) bringt die Evolution immer komplexere Lebensformen hervor. Das Lebendige ist dabei ein emergentes Phänomen, das mit der ersten lebensfähigen Zelle durch einen Qualitätsumschlag i.S. Hegels oder eine Fulguration i.S. Lorentz in Erscheinung tritt. Die Annahme, dass das Geistige (also Bewusstsein) ebensolch ein Sprung sei, verwirft HvD mit folgenden Argumenten (in meiner Interpretation):

    Erstens: Es bestehe ein Kategorienfehler. Lebendig sei sowohl eine Amöbe wie auch ein Mensch aber Bewusstsein sei vielschichtig, wie man am Vergleich unseres Bewusstsein mit den entspr. Vorformen in Tieren leicht sehen könne. Geistiges sei eine andere Kategorie, die nicht in derselben Art aus evolutionsbiologischen Prozessen erwächst wie die Entwicklung des Lebens.

    Zweitens: Welcher Zugewinn an Erkenntnis ergäbe sich, wenn materielle Prozesse Bewusstsein (Qualia) erzeugen würden? An Split-Brain-Patienten kann man feststellen, dass sie korrekte Handlungen ausführen können ohne sich dessen bewusst zu sein. (Selbstreflexives) Bewusstsein wäre eigentlich überflüssig und funktionslos. (Anmerkung: Auch G. Roth * sprach in einem seiner Vorträge davon, dass Bewusstsein eigentlich ein Luxus sei, dessen man zum Überleben nicht wirklich bedarf. In der Tat könnte man sich z.B. fragen, wie denn mit Beethovens „Pastorale“ Feinde vertrieben, Terrain gesichert, Mägen gefüllt oder mögliche Sexualpartner beeindruckt werden könnten – Beethoven war auch kein besonders erfolgreicher Liebhaber : -)).

    Drittens: Gedankenfolgen wären dem Identisten (und auch dem Epiphänomenalisten) zufolge nur Schein, da ja materielle Prozesse in ihrer Abfolge einzig existent sind. HvD gebraucht eine Metapher von Hans Jonas, in dem dieser Gedanken oder Bewusstseinsmomente mit Bilder eines Filmes auf einer Leinwand vergleicht und das eigentliche Substrat im Projektor sieht. Bewusstseinsmomente haben also keine Bewusstseinsmomente zur Ursache sondern materielle Prozesse und die Wirkung ist auch entsprechend – wozu also der Schein?

    Viertens: Die naturwissenschaftliche Methode ist positivistisch und muss Subjektives ausklammern. Damit unterliegt sie einer Vorentscheidung, die Bewusstsein als subjektives Erleben gar nicht zu ihren Gegenständen zählt. Dieses verführe aber dazu, den gordischen Knoten des Geist-Materie-Problems nicht einmal zu zerschlagen, sondern zu verstecken.

    Fünftens: Das Energieerhaltungsprinzip wird verabsolutiert gesehen. Monisten seien – wieder Jonas zitierend – „Loyalisten des Kausalgesetzes“. (Das aber würde ja gar keine Erzeugung von Bewusstsein zulassen – so wenig, wie eine Beeinflussung von Materie durch Bewusstsein.) Naturgesetze seien zudem idealisierte Formulierungen durch uns und nicht automatisch in der Natur anzutreffen. Dort wird kaum ein Vorgang exakt den durch uns formulierten Naturgesetzen gehorchen (Anmerkung: Das ist m.E. korrekt. Naturgesetze beschreiben statistische Wahrscheinlichkeiten aus „unter den Dingen“ ablaufenden Quantenprozessen, die selber sich einer exakten Beschreibung i.S. von Vorhersagbarkeit entziehen.)

    Nun ist dieser Vortrag „Kritische Anmerkungen zur monistischen Interpretation des Leib-Seele-Problems“ 1984 entstanden (vorzufinden im Buch „Unbegreifliche Realität“ ** auf Seite 290 ff.), also etwas alt. Doch ist er nach wie vor interessant und aktuell wie gleich im ersten Absatz zu lesen ist, der darauf hinweist, dass ein wirkliches Verständnis des Leib-Seele-Problems vmtl. erst von einer Metaebene jenseits unseres Erkenntnishorizonts möglich wäre. Das ist aktuell, weil auch G. Roth davon ausgeht, dass unsere Untersuchungen an unseren Gehirnen auch „nur“ Untersuchungen an einem bestenfalls in Teilen stimmigen „Abbild“ oder Hirnkonstrukt sind, das „reale Gehirn“ uns daher gar nicht zugänglich ist. Zudem mahnt auch W. Singer*** in seinen Vorträgen regelmäßig mit dem Verweis auf ein epistemisches caveat vor der Annahme, wir wüssten nun endlich quasi als letztgültige Erkenntnis, was das Gehirn sei und wie Bewusstsein zustande kommt. Man ist sich einer gewissen Zirkularität bewusst.

    Um auf das Phänomen Musik zurück zu kommen, so muss das gar nicht durch die evolutionsbiologische Hervorbringung komplexer Gehirne ins Dasein gekommen sein. Denkbar ist auch, dass komplexe Gehirne eine Voraussetzung für ein Agieren in einer dem Leben neu erschlossenen Sphäre sind. Evolution bleibt es aber in jedem Fall und die entspr. Kritik geht ins Leere.

    Ich bin weder Dualist noch Identist (war ich mal) noch Epiphänomenalist. Für mich bleibt alles Weltgeschehen eine Einheit, allerdings eine solche, die aus dem Wappen von Niels Bohr ersichtlich ist. Dieses Wappen zeigt das daoistische Yin-Yang Symbol, das den Dualismus repräsentiert - allerdings eingefasst in einem Kreis und mit „contraria sunt complementa“ beschrieben. Wollte man aber unbedingt eine andere monistische Stellungnahme, so müsste das verblüffender weise eher der „Geist“ als die Materie sein. Was bleibt denn von der Materie nach gründlicher Analyse anderes als nur noch mathematisch beschreibbare Quantenobjekte, die sich uns je nach experimenteller Situation einmal energetisch als Welle und ein andermal als Partikel repräsentieren? Und was existiert denn von eigener Seite her - völlig relationslos? Nichts, denn erst die Relationen setzen die Phänomene. Relationen aber sind nichts Dingliches. Daher kann es m.E. auch keine echten Singularitäten geben. Zumindest sind sie nicht beobachtbar, denn der Beobachter würde bereits eine Relation setzen. Wir können nichts von leeren Räumen wissen, denn schauen wir hinein, sind wir schon da. Und so sind wir am Ende wieder einmal beim Agnostizismus angelangt. Alles was bleibt, ist die „Spielzeugebene“ auf der wir leben – und das Spielzeug ist flüchtig – gleich, ob materiell oder geistig. Aber das Spiel wird gespielt, Milliarden Jahre ohne uns und vmtl. auch Milliarden Jahre nach uns. Wir sind eine flüchtige Relation in diesem Spiel; was uns konstituiert, war schon vor uns da und wird auch nach uns da sein. So gesehen, sind wir unsterblich in den Flüssen der Ereignisse– oder tanzt da jemand um sein Ich? Nehmen wir jene hypothetische Noosphäre noch hinzu, so trifft uns auch kein geistiger Verlust – es war ja immer alles schon da und bleibt vorhanden. Wird ein Receiver zerstört – was kümmerts der Sendung? Seit wann sind wir Receiver? Wir waren immer schon Sendung. Welch bedauerliche Verwechslung! Zur Vereinfachung etwas weiter gesponnen: Dieser Beitrag war schon ganz da, noch bevor sie der Leser bis hier gelesen hatte. Sind immer wieder ganz lustig, solche Gedankenspielchen. (Ich sollte vielleicht Guru werden: Swami Shri Wiskipur :-) Sadhu bin ich ja schon fast – wegen Geldmangel. Das soll nicht despektierlich sein – ich hege durchaus Bewunderung für das advaita-vedanta.)

    Gruss
    Egon

    * Gerhard Roth „Das limbische System – Sitz des Psychischen“
    Lindauer Psychotherapie Wochen 2005
    Auditorium Netzwerk 3 DVD
    Best. Nr. 659D

    ** Hoimar von Ditfurth „Unbegreifliche Realität“
    Untertitel: „Reportagen, Aufsätze, Essays eines Menschen, der das Staunen nicht verlernt hat“
    Rasch und Röhring, Hamburg 1987
    ISBN 3-89136-129-7

    *** Wolf Singer „Philosophische Implikationen der Hirnforschung“
    Universität Leipzig 2007
    Auditorium Netzwerk 1 DVD
    Jokers Edition

  5. Odyssee

    Hallo Egon,

    die um 1970 entstandene Soziobiologie brachte zwar einige konstruktive Klärungen sozialen Verhaltens, aber - wie Du richtig andeutest - auch Kaskaden naturalistischer Polemik hervor. Manche Exponenten wie E. O. Wilson oder R. Dawkins zogen erneut die aus der Ideengeschichte bekannten Kurzschlüsse bei der Erklärung soziokultureller Phänomene. Solche ideologischen Interpretationen der Synthetischen Evolutionstheorie als alles erklärender Deutungsschlüssel begleiten offenbar jeden insbesondere auf den Menschen beziehbaren Fortschritt der Evolutionsbiologie: Fehlinterpretierter Fortschritt als Fortschritt ohne Grenzen - Fortschritt also bis zum ideologischen Überschritt in Aporien, aus denen es keinen Ausweg gibt. - “Selektion verändert und optimiert das, was vorhanden ist. Wie aber entstehen neuartige Konzepte? Ist es tatsächlich möglich, durch Selektion von `Kopierfehlern´ zu ganz neuen Konstruktionen zu gelangen?” (1). Anders gefragt: Ist also das Vor-Handene das im R a h m e n des H.-O.-Schemas eruierte Be-Dingte resp. Be-Wirkte? Indes: Leben ist nicht ein Zu-Stand von Materie, sondern der Selbst-Stand resp. das S e i n eines Lebendigen - das mit methodisch isolierenden sowie regional eingrenzenden Zugriffen Nicht-zur-Sprache-Gebrachte, jedoch ihnen Vor-Gegebene. Termini wie “Emergenz” oder “Fulguration” er-klären nicht, sondern sind letztlich nicht mehr als Bezeichnungen der Unableitbarkeit (2). An dieser Stelle wird die besagte Identifikation von Sein (Negativität/Unableitbarkeit) und Gewordensein (Faktizität/Ableitbarkeit) u. a. des Lebendigen, also von Selbst-Stand des Organismus und dessen geno- wie phänotypischer Adaptation und Optimation, als Resultante jener weltanschaulichen Auslegung der Evolutionsbiologie bereits im Vorfeld des Leib-Seele-Problems ersichtlich. Der von Dir interpretierte und in die Diskussion eingeführte Text von Hoimar v. Ditfurth zur letztgenannten Problemstellung ist nach meiner Ansicht sehr wichtig und nach wie vor aktuell. Dessen Gehalt - so meine Beobachtung - wird indes von der Forschung erst allmählich eingeholt; dieser besteht exakt im Aufweis o .g. Aporien. In diesem Zusammenhang möchte ich die von Dir kritisch bedachte Formulierung in einer eher theologischen Ausformulierung näher klären: Das besagte Einrücken von Materiellem in Artlogoi verstehe ich als ein sich unter spezifischen Systembedingungen vollziehenden Evolutionsprozeß. Materialität bildet in meinem Gedankengang die Grammatik des im Geist des Ur-Grundes präsenten Schöpfungslogos resp. inneren Sprechens Gottes, dessen Grammatikalisierung (Evolution) die Inkarnation (im kosmischen Sinn) jener Artlogoi als Inhalte dieses Sprech-/Denkaktes Gottes darstellt. Der Geist des Ur-Grundes bildet mithin die dem Evolutionsprozeß inhärente Entelechie resp. causa prima als dessen innerste Mitte und Dynamik. Evolution betrachte ich also nicht als Methode oder Werkzeug des Schöpfungshandelns Gottes, sondern als dessen raumzeitliche Dimension. Damit ist kein Hiatus zwischen dem zeitlichen Nacheinander und der sub specie aeternitatis zu betrachtenden Dimension des Schöpfungsprozesses hineinzudenken, ebensowenig wie zwischen dem Akt eines Nadelstiches und entstehendem Loch (3). Dies impliziert zudem die Einheit (nicht Einerleiheit!) von Geist und Materie als einer Einheit in Unterschiedenheit.

    Ich hoffe, meine Gedankengänge in meinem obigen Kommentar zu Deinem Gastbeitrag mit diesen Erläuterungen etwas geklärt zu haben. Genaueres besprechen wir zwei scheinbar pflichtvergessenen Bettelmönche ohnehin auf unserer sonderbaren Reise im Raumschiff “Starship Trooper” - beyond the infinity :-) .

    Viele Grüße,

    Ody

    Anmerkungen

    (1) Zitiert aus Franks obigem Kommentar zu Deinem Gastbeitrag

    (2) An dieser Stelle darf ich verweisen auf: Spaemann, R./Löw, R. (2005) Natürliche Ziele. Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens. Stuttgart

    (3) Hinsichtlich der Verschränkung von causa prima und causa secunda enthält m. E. die Arbeit von Mike Gene “The Design Matrix. A Consilience of Clues” (Arbor Vitae Press, 2007) wertvolle Denkmodule (s. hierzu auch die ausgezeichnete und sehr kompetente Rezension von Reinhard Junker auf http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2008/03/evolution-front-loaded.html.

  6. Egon

    Hallo Ody,

    zu Mike Gene gemäß der Rezension von Junker:

    Zitat: „Dass dabei subjektive Bewertungen unvermeidlich sind, ist Gene bewusst (S. 272). Er stellt schon im Vorwort klar, dass es um einen Verständnisschlüssel gehe, nicht um Beweise (S. xiii).“

    Und damit ist die Luft schon wieder raus. Von den vier „Verdachtsmomenten“ finden wir im ersten den altbekannten Paleyschen Analogieschluss wieder und die anderen drei basieren auf argumentum ad ignorantiam.

    Weiter: „Marsgesicht“ verglichen hinsichtlich optischer Auflösung mit intrazellularen Strukturen -> Kategorienfehler und indirekt wieder das Analogieargument – aber rhetorisch geschickt.

    Zitat: „In dem Maße, wie unsere Technologien weiterentwickelt wurden, offenbarte sich der Designcharakter der Lebewesen.“

    In dem Maße, wie unsere Technologien weiterentwickelt wurden, offenbart sich die Komplexität des ganzen Universums mit allem, was „darin“ ist. Es offenbart sich sogar das Scheitern unserer Vorstellungen auf allen Ebenen, wenn man sie in ihrer Tiefe und Komplexität zu ergründen sucht. Ich verstehe nicht, wie hier mit einem fast schon „hypnotischen Tunnelblick“ immer nur auf Leben geschaut wird. Leben ist eine Ebene, psychisches Erleben (Qualia) eine andere und alles das spielt sich auf einem „Ozean planckschen Rauschens“ im Einsteinschen Raumzeitkontinuum ab.

    Zitat: „Alle Organismen haben dasselbe perfekte Codesystem. Genau solche Befunde seien zu erwarten, wenn man von ID ausgeht (S. 77). Und würde ein suboptimaler Code nicht als Argument gegen ID gelten?“

    Genau solche Befunde sind zu erwarten, wenn man von Evolution ausgeht. Und wieder wurde mit Informatikterminologie Biologie begutachtet – eine Variante des Analogiearguments. Wir haben bis jetzt noch nichts wirkliche Neues in Sachen ID bei Mike Gene gefunden (ich bin sicher, Junker hätte das groß herausgestellt), sondern nur eine weitere Projektion der alten Walze mit neuen Worten. Aber er ist ja ehrlich und gibt das auch zu - he`s a brave man. Übrigens: Ein Echo haben wir hier tatsächlich – aber nicht eines von Design sondern von den Gedanken Mike Genes.

    Zitat: „Des weiteren wurde nachgewiesen, dass die verwendeten Nukleotide optimal sind, um Fehler bei der Replikation zu minimieren. All das sieht nicht nach einem „eingefrorenen Zufall“, sondern viel mehr nach vorausschauender Planung aus.“

    Zufall oder Planung – was anderes scheint es im Denken dieser Kritiker wohl nicht zu geben. Wir hätten da noch die gute alte Selektion in ihren vielen Spielarten anzubieten, systemische Konzepte und natürlich – wohl oder übel – hypothetische oder unbekannte Faktoren, die aber nicht sogleich wieder als Planer zu vereinnahmen sind. Und dann wäre da noch der agnostische Standpunkt, der auf die natürliche Grenze unserer Erkenntnisfähigkeit hinweist und nicht vorschnell „Design“ ruft um immanente Prozesse ins Unwissbare zu projizieren. Ludwig Wittgenstein schrieb, das die Essenz seiner „Logisch-philosophischen Abhandlung“ (der Tractatus) in folgendem Satz zusammenfassbar ist: „Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen“. Nun muss man sich nicht unbedingt sklavisch daran halten, sollte sich aber stets über die Unterschiede zwischen dem Faktischen und dem nur Gedachten im Klaren sein.

    Zitat: „Unter der Annahme von ID kann vorhergesagt werden, dass es nicht nur bei der Replikation (DNA –> DNA) und Translation (mRNA –> Protein), sondern auch bei der Transkription (DNA –> mRNA) eine Fehlerkontrolle gibt (bei zweifacher Übersetzung ist Kontrolle bei beiden Schritten sinnvoll); dafür gibt es mittlerweile tatsächlich Hinweise (S. 85). Gene merkt an, dass er diese Entdeckungen aufgrund seiner ID-Perspektive erwartet hatte und mittlerweile also bestätigt wurde.“

    Da scheint mir eine Zirkularität enthalten zu sein: Man geht von ID aus, findet Dinge, die der artefaktenproduzierenden Analogie entsprechen und sieht das dann aufgrund der ID-Perspektive bestätigt.

    Zitat: „Abschnitt II.5 („Welcome to the machines“) legt das Augenmerk auf dem Maschinencharakter der Proteinkomplexe der Zellen.“

    Es ist allerdings interessant, das der alte Darwin, gewissermaßen von Dampfmaschinen umgeben, derlei Vergleiche nicht gebraucht hat. Hier erscheint in großer Pracht und Helligkeit der Kategorienfehler hervor! Es sind eben KEINE Maschinen! Zum Vergleich: In der Hirnforschung hatte man anfangs (in den 40iger Jahren) das Gehirn mit einem Computer verglichen und Neuronen als logische Schaltelemente (Operatoren) verstanden. Heute wissen wir, das dem nicht so ist. Mike Gene geht eine Ebene tiefer, in das Innere der Zelle, und macht m.E. denselben Fehler. Diese mechanistische Erklärungsweise greift zu kurz und lebt von der Projektion Edisonhaften Erfindungsgeistes in die Naturvorgänge. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Weil wir aus der Natur stammen, können wir in vergleichbar lächerlicher Primitivität Motoren bauen. Weil es in der Natur das „Prinzip“ rotierender Antriebe gibt (vgl. Flagellenmotor) können wir derlei auch bauen. Weil es aerodynamische Formen wie Flügel gibt, können wir Flugzeuge bauen, usw. Und um das auf die Spitze zu treiben: Weil bereits eine Amöbe zu unterscheiden „weiß“, können wir differenzieren. Man muss sich doch mal eines vor Augen halten: Warum sollte ein intelligenter (!) Designer komplexe Lebensformen hervorbringen, deren einziger Zweck in der Detektion von Buttersäuremoleküle, einem Sichfallenlassen auf einen Warmblüter (der mit seinem Schweiß diese Moleküle ausströmt) und einem Stechen und Blutsaugen zum Zwecke der Ernährung der Nachkommen besteht, die dann selbiges in monotoner Stereotypie wiederholen? Auch die Körperzellen dieses Lebwesens – es handelt sich um eine Zecke – sind kaum weniger komplex als diejenigen, die unseren Körper konstituieren. Wenn man von einem informatisch-mechanistischen Modell ausgeht, so würde sich für diese wenigen Schritte dieser ganze Aufwand mit Nuklei, Proteinsynthesen, Mitochondrien, Golgi-Apparaten, Membrankanäle mit komplexen Molekül- und Ionenbindungsfunktionen usw. überhaupt nicht lohnen. Das könnte man einfacher realisieren. Es ist geradezu erschreckend, wie weit hier der Abgrund zwischen Komplexität im Inneren und Simplizität im Äußeren klafft. Aber das alles ist Leben und eben keine Maschinerie. Maschinen- oder roboterhaft mag das Verhalten sein, das Leben selber ist es in seiner Essenz nicht. Und diese Essenz, will sagen Qualität oder Kategorie, ist eben eine andere als die einer Maschine. Genau darum gehen die Analogieschlüsse von ID m.E. ins Leere.

    Zitat: „Er bezieht sich hier auf einen Befund, der die Biologen in den letzten Jahren in wachsendem Maße überrascht hat: Viele Gene, die für die Bildung von Organen vielzelliger Organismen benötigt werden, gibt es schon in Einzellern, die diese Organe natürlich gar nicht besitzen.“

    Aha! Er hat sich also genau darüber Gedanken gemacht – das ist gut. Allerdings sieht ein Bakteriengenom doch wohl anders aus, als das eines Schimpansen. Schwer vorstellbar das darin bereits Sequenzen für die Hervorbringung von Sinnenorganen, eines Gehirns, eines Fells, usw. stecken sollen. Das es bei Einzellern Merkmale gibt, die es auch bei Vielzeller gibt, ist trivial, denn wir stammen ja letztlich von Einzellern ab. Auch dieser Punkt geht an die Evolution (man kann z.B. Neuronengewebe einer Ratte – isoliert betrachtet – nicht von dem eines Menschen unterscheiden).

    Zitat: „Ein intelligenter Designer nutzt Zufallsmutationen und Selektion geschickt aus, indem er ihnen die richtigen Ausgangsmaterialien und geeigneten Prozesse zur Verfügung stellt. Zwar können keine bestimmten Ergebnisse vorhergesagt bzw. vorgeplant werden, aber Tendenzen, die wahrscheinlicher sind als andere.“

    Dazu fehlt dann nur noch ein überprüfbares Modell und ich schließe mich dem an. WIE soll das geschehen sein? DAS ist doch die Frage, um die es in Wirklichkeit geht. Wurde durch Strahlung „kanalisiert“, das Spiel von Mutation und Selektion moduliert? Wurden die Zusammenbrüche der Wahrscheinlichkeitswellen zeitweise mit einer bestimmten Tendenz befrachtet, so dass sich Moleküle in bestimmter geordneter Weise verhielten? In derartige Richtung sollte gedacht und geforscht werden und nicht ewig und immer mit dem Analogieschluss und den Lücken argumentiert werden. Nur so nebenbei: Was wäre eigentlich anders, wenn wir statt Evolutionsmechanismen von Design reden würden unter Beibehaltung der Evolution, wie sie sich uns darstellt?

    Zitat: „…wie z. B. die Voraussetzungen für den Bau eines Blutgefäßsystem in einem Einzeller schon gegeben sein könnten – nämlich dadurch, dass die betreffenden Gene bereits eine andere erste Aufgabe hatten, die später bei den Vielzellern beibehalten, aber eben auch ergänzt wurde. Dies erklärt zugleich auch die Konstanz der fundamentalen Proteine über evolutionäre Zeiträume.“

    Ich nenne das Evolution. Werden hier Argumente für Evolution „umgemünzt“? Wenn man erst darüber nachdenkt wie ungeheuer stabil das aus drei Quarks bestehende Proton ist…. Wieso argumentiert man nicht mit einer geheimnisvollen Kraft im Atomkern, die alle Informationen über alle möglichen evolutiven Pfade in sich birgt? Das wäre der perfekte Holismus! Die Perlenkette Indras – jede Perle spiegelt alle anderen Perlen wider. Oh heiliges Ei des Brahman – das fängt an, mir zu gefallen.
    Zitat: „Interessant ist auch der Befund, dass die Basen der DNA chemische Eigenschaften haben, die dazu führen, dass Mutationen von Cytosin (C) zu Thymin (T) besonders häufig sind.“

    Noch viel interessanter ist der Befund, dass die DNA photosensibel ist und vermutlich kohärentes Licht emmitiert (so jedenfalls lt. dem Biophotoniker F.A. Popp). Das geht doch alles über die Ebenen der Mechanik, der Informatik und der Chemie hinaus tief in die Physik hinein. M.E. haben wir es hier mit Relationen oder Bedingtheiten zu tun, die sich nicht durch ein Gottesbild, das aus einem Macher besteht (aka Designer), der analog zu einem Menschen Dinge fabriziert, erklären lassen. Diese ganze Antropomorphie sollte man sein lassen.

    Auch wenn sich mein Beitrag hier wie ein Verriss liest, so finde ich dennoch Anerkennung für die Überlegungen – die mir freilich nur als Renezion vorlagen (vielleicht finden sich im Buch bessere Ansätze) – von Mike Gene. Er versucht Evolution mit ID zu vereinbaren obwohl er es mit der theistischen Evolution beispielweise eines Teilhard de Chardin einfacher haben könnte. Gleichwohl vermag ich in Genes Ansichten eine theistische ET zu erkennen, die sich dezidiert um die Erklärunglücken bemüht. Diese werden bei ihm nicht durch supernaturale Eingriffe geschlossen sondern treten gar nicht auf, weil bereits im Einzeller mittels „Beschleuniger“ vom Designer implementiert, Phasen sprunghafter Veränderungen vorgesehen wurden. Merkwürdig erscheint mir, dass dennoch der dafür eigentlich zu erwartende Determinismus abgelehnt wird, aber andererseits auf die maschinenhafte Präzision intrazellulärer Prozesse bestanden wird. Stattdessen entpuppt sich das Ganze als Statistikmanipulation. Warum er sie nicht dort ansetzt, wo sie wirklich Sinn machen könnten, nämlich in quantenmechanischen Prozessen, ist mir ein Rätsel. Allerdings könnte hier – rein spekulativ – ein Zusammenhang bestehen, der aber ein anthropomorphes Analogmodell ausschließt.

    Spekulieren lässt sich viel und es macht auch Spaß trotz Wittgensteins Ermahnung. So könnte man eine Raumzeitlosigkeit postulieren, aus deren Sicht der ganze Weltprozess bereits vorhanden ist und die Zeitlichkeit nur ein Vorübergehen zeitlicher Beobachter durch jene Strukturen und Prozesse ist, die uns jeweils neu erscheinen. Oder man ergänzt die Kausalität nicht nur durch Finalität sondern auch durch Synchronizität. Mit letzteren hatte sich bekanntlich C.G. Jung beschäftigt in Bezug auf sog. sinnvolle Zufälle. Synchronizität wird gerne von Esoterikern besetzt und meint eine Entsprechung von Ereignissen und Strukturen in kausal unabhängigen Ebenen. In gewisser Weise bedient sich ID auch dieser Synchronizität, da es im schöpferischen Tun des Menschen eine Entsprechung zu einem höheren Schaffen des oder der Designer vermutet. Allerdings wäre das keine echte Synchronizität, da diese immer geschieht und nicht nur zu bestimmten Zeitpunkten. Synchronizität ist zudem biblisch: „Wie im Himmel, so auf Erden“ und deutet etwas an, was den Begriffsraum unserer Erkenntnis überschreitet. Ob man das nun Himmel, Gott, Heiliger Geist, Brahman oder Shunyata nennt ist m.E. nur ein Frage der Worte. Wenn es aber derlei gibt, dann ist es mit unserer Welt untrennbar verbunden, vielleicht nur eine andere erweiterte Sicht der einen Welt, die wir nur in einem kleinen Ausschnitt erkennen können. Es dürfte klar sein, dass derlei schon im Grundsatz nicht mit ID oder Ähnlichem auch nur annähernd beschrieben oder gar erreicht werden kann, denn ID bleibt im Raum des Begrifflichen und ist daher m.E. gänzlich ungeeignet für einen transzendenten Pfad.

    Naturprozesse als Reden oder Grammatik Gottes zu bezeichnen, impliziert m.E. ein vedantisches Weltbild, nach dem Gott in allem ist. Paramahamsa Ramakrishna (1836 – 1886) sah in einem meditativen Zustand, das alles Bewusstsein war, gleich ob Mensch, Katze oder Steintreppe. Er hatte sich offensichtlich durch Fasten und sensorische Deprivation in einen mystischen Zustand begeben und sein Gehirn zeitweise von den Einflüssen subcortikaler Bereiche z.T. „abgeschaltet“. In einem solchen Zustand kann einem gewahr werden, dass sich die Gedanken- und Empfindungsformen – und nur als solche erscheint uns Welt - im Hirnkonstrukt der Welt beliebig an und abschalten oder manipulieren lassen. Welt findet im Gehirn statt und lässt sich auch dort besiegen. Das aber heißt, dass auch unser wissenschaftliches Denken dort stattfindet, mithin also auch die Grammatik Gottes. Wir sind es also, welche die Grammatik Gottes sprechen. Folglich ist es unsere Grammatik und jeder ist Gott, denn jeder ist der Schöpfer seines Weltbildes, jeder sagt „Ich bin“. Das ist keine Selbstvergottung im Sinne von Machtgelüsten, sondern der Widerschein von Milliarden Jahren in einer Art Hologramm des Universums. Das ist aber kein „Front-Loading“, denn es war schon immer als Potential und in vielerlei Form und Energie vorhanden. Doch genug davon.

    Gruss
    Egon

  7. Odyssee

    Hallo Egon,

    die Problematik des ID-Konzepts besteht nach meiner Ansicht im Anspruch vieler (nicht aller!) Exponenten, mit diesem ein n a t u r wissenschaftliches Modell in die Diskussion zur Ursprungsfrage eingeführt zu haben. Ich habe bereits im Forum nicht selten darauf hingewiesen, daß dem Evolutionsprozeß inhärente Faktoren transkausaler Art keine kategorialen, also keine zu isolierenden und regional eingrenzbaren Variablen darstellen. Ich habe indes versucht aufzuzeigen, daß der naturwissenschaftliche Zugriff auf das, was wir “Realität” nennen, in seinen Denkvoraussetzungen diese jedoch nicht apodiktisch wegdefinieren kann, ohne seinerseits metaempirische Elemente in sich zu bergen, die ihrerseits wiederum in subjektiver (!) Erfahrung gründen, die Charakteristika wie Quantifizierbarkeit, Reproduzierbarkeit und Prognosefähigkeit schlicht nicht aufweist, ja aufweisen kann. Eines ist indes auch klar: Im Aufweis prinzipieller Grenzen des naturwissenschaftlichen Zugriffs ist nicht sogleich ein absoluter Gottesnachweis zu erblicken, sondern eben der zentrale Ansatzpunkt, über jene hinaus-zudenken. Der Christ wird naturphilosophische und protologische Reflexion ohnehin im Anschluß an Hebr 11, 3 vornehmen - indes von 1 Petr 3, 15 her versuchen, seinen Schöpfungsglauben angemessen zu begründen. Das ID- resp. PSD-Modell enthält nach meiner Ansicht schlüssige Denkmodule, um insbesondere Problemstellungen wie das Verhältnis von causa prima und causa secunda näher zu klären. Der Rückgriff auf die Bionik in der Erforschung von Design-Signalen ist m. E. zudem legitim, um der Bestimmung evolutiver Neuheiten ein Stück weit näher zu kommen. Aber ich stimme Dir zu, daß ein korrespondierender Vergleich zwischen technischen und natürlichen Komplexitätsgraden lediglich asymptotisch vorgenommen werden kann, wenn wir denn die D y n a m i k des Schöpfungsgeschehens nicht gänzlich verkennen wollen. Es sei in diesem Zusammenhang einmal angemerkt, daß eine Rückbindung weltanschaulicher Positionen an naturwissenschaftliche T h e o r i e n nicht trägt. Agnostisch denkende Autoren wie Albert Camus beispielsweise formulierten ihre philosophischen Ausgangspunkte lediglich im Daseinsfeld von Sinnverlangen und Welterfahrung und verzichteten mithin, ihre Gedankenkreise anhand naturwissenschaftlicher Theoreme gewissermaßen zu standardisieren. Das ist - wie der Glaube - ungeschützter, mithin risikoreicher. Aber es hat S c h n e i d.

    Viele Grüße,

    Ody

  8. Egon

    Hallo Ody,

    noch ein Kommentar:

    Alles in allem kommen wir also zu dem schon bekannten Schluss der Trennung von Naturwissenschaft und Religion zumal die Religion (aka Rückbindung) sich dem Transzendentalem widmet und die Naturwissenschaft dem erfassbar oder erklärbar Immanenten: Das erste Gebot des Dekalogs in vollem Umfang gedacht.

    Du zitierst Paulus (sofern er der Verfasser dieses Briefes war, was umstritten ist):

    Heb.11,3 „Auf Grund von Glauben gewinnen wir die Einsicht, daß die Welten durch Gottes Wort erschaffen sind, daß also nicht aus Erscheinungen das Sichtbare geworden ist.“

    (nach Interlinearübersetzung: „Auf Grund von Glauben erkennen wir, (dass) bereitet worden sind die Welten durch (das) Wort Gottes, so dass aus nicht sichtbar Seienden das gesehen Werdende geworden ist.“)

    Man sieht hier (und auch bei dem nachfolgenden Text), was aus dem Urtext so alles werden kann. Allein aus „unsauberen“ Übersetzungen (hier eine frei im Netz downloadbare sog. Volksbibel) können so manche Missverständnisse bis hin zu Streitereien entstehen. Der Urtext gibt gar keinen Anlass zum Zweifel an der Evolution, denn wir können (transspezifische) Evolution nicht sehen, müssen also vermuten (und mit Modellen so gut es geht absichern) und folglich „glauben“. Man beachte das „gesehen Werdende“, was m.E. sehr stark auf eine creatio continua hindeutet. Das „nicht sichtbar Seiende“ kann auch auf Quantenobjekte angewendet werden, die wir in ihrer Soheit nie sehen, da uns erst das sichtbar wird, was wir entsprechend dem Experiment erhalten. Schon die Bezeichnung „Quantenobjekt“ ist irritierend, da es sich eben nicht um Objekte handelt sondern eher um prozessartige Potentiale. Die Überführung von der Möglichkeit (Potential) in die Wirklichkeit erfolgt auf Grund von Glauben resp. Vorannahme hinsichtlich des Versuchsaufbaus und damit wäre Glauben ein Erkenntnisakt, also eine Wahrnehmung, was m.E. aus dem folgenden Vers deutlich wird (wenn man mit diesen Gedanken und daraus folgenden Weiterungen arbeitet, könnten sich ganz andere – vielleicht viel interessantere - Ansatzpunkte für ID ergeben; - man sollte von dem Bild eines Machers weg; hier kämen auch Anklänge an den radikalen Konstruktivismus in Frage, mithin Berkeleys Ansatz von Gott als dem absoluten Beobachter, der permanent die Welt konstruiert – Welt als Gottes Wahrnehmung oder gar Traum):

    Röm. 1, 20 „Läßt sich doch sein unsichtbares Wesen seit Erschaffung der Welt durch seine Werke mit dem Auge des Geistes wahrnehmen: seine ewige Macht wie seine Göttlichkeit…“

    (s.o.: „Denn das Unsichtbare an ihm, seit Schöpfung (der) Welt an den Schöpfungswerken erkannt werdend, wird wahrgenommen…“)

    Hier lässt sich doppelt interpretieren:

    Hinsichtlich wissenschaftlicher Methoden, die über das Augenscheinliche hinausgehend in die Natur der Dinge oder ihrem Wesen eindringen und über die Mystik. Dass man in der Antike schlussfolgernde logische korrekte Erkenntnisse produzieren konnte, ist bekannt, denn die Kugelgestalt der Erde und sogar das heliozentrische Weltbild war einigen Menschen seinerzeit schon durch Beobachtung und Logik ergründbar. Zudem weisen sowohl Vorsokratiker als auch buddhistische Philosophen auf die Modularität und die Dynamik, also auf den Prozesscharakter der Phänomene hin. Da Paulus offensichtlich ein gebildeter Mensch war (römischer Bürger aus der griechischen Stadt Tarsus) darf angenommen werden, dass er zumindest einige griechischen Philosophien gekannt haben dürfte. Die Apostelgeschichte deutet z.B. eine Debatte mit Epikureern an. Unklar ist dagegen 1. Kor. 11, 14, da Paulus sicher gewusst hat, dass Löwen langmähnig sind und der alttestamentarische Simson ebenso war ganz abgesehen von der vmtl. langen Haartracht des Täufers Johannes, der in der Wildnis lebte. Derlei Texte darf man offensichtlich nicht ganz ernst (dogmatisch) nehmen und sollte sie dem damaligen Umfeld zurechnen (Römer und Griechen trugen kurzes Haar und man wollte diesen „Heiden“ wohl keinen Anlass zum Gespött bieten zumal Paulus eine gewisse Anpassungsstrategie verfolgte und „allen alles“ sein wollte).

    Das „Auge des Geistes“ bzw. die Wahrnehmung von Transzendenz (des Unsichtbaren) ist m.E. nur aktiv in Zuständen veränderten Bewusstseins (aka Mystik: Meister Eckhart, T. von Avila, H. von Bingen, u.v.m. im Christentum sowie Milarepa in Tibet, Ramakrishna in Indien, die Sufis im Islam, usw. - um nur einige wenige Beispiele zu nennen). Die wissenschaftliche Ratio „versagt“ hier, kann bestenfalls Hirnprozesse vermuten (präfrontale Reizüberflutung bei Abnahme der Aktivitäten in anderen Bereichen), aber nicht sagen, WAS Qualia wirklich sind (zumal jene nur auf der somatischer Ebene feststellbaren ähnlichen Ereignisse zu völlig unterschiedlichem SUBJEKTIVEN Erleben führen. Immerhin haben wir hier eine - so ich das überhaupt richtig verstanden habe – biblische Beschreibung dessen, was Glaube ist – es ist ein Schauen, ein Wahrnehmen. Das verwundert nicht, da Fasten und Gebete in der Stille dem nahe kommen, was derlei induzieren könnte. Ich halte es sogar für denkbar, dass die ursprüngliche Taufe die – natürlich erwachsenen – Täuflinge nahe an das Ertrinken geführt hat um Nahtoderlebnisse zu generieren. Zudem wurde bzgl. des sog. Abendmahles auch schon in Richtung psychoaktiver Substanzen spekuliert. Ich halte derlei Spekulationen zwar für gewagt, bin aber davon überzeugt, dass das sog. Urchristentum etwas qualitativ anderes war, als das, was im Zuge der Institutionalisierung seit Konstantin daraus wurde).

    Gott als Wille und Vorstellung: Wir sind ja gezwungen, alles zu verdinglichen, weil wir alles nur verdinglicht in den Formen scheinbarer Stasis erleben. Das ist bei nüchterner Betrachtung eigentlich gar nicht so viel anders als die Personalisierung von Naturprozessen. Der dahinter wirkende Prozess des Relationenwandels, des bedingten Entstehens, der identisch mit dem buddhistischen Begriff der Leerheit ist, kommt uns kaum in den Sinn. Aber genau das könnte die Einheit hinter allen Gegensätzen sein, die als letzte und höchste Personalisierung in nur noch einem Gott mündet. Mit anderen Worten: Die verschiedenen Religionen meinen inhaltlich (im Kern) alle dasselbe, die Ansicht, das da letztlich nichts Getrenntes ist, das Trennung nur Wille und Vorstellung ist und es des Loslassens dieses Willens und dieser Vorstellung bedarf um (direkt) wahrzunehmen. Die Begeisterung des Paulus, der auch über ein seltsames Erleuchtungserlebnis zum (wahrhaften?) Glauben kam, kann ja nur durch eine Entgrenzung des Althergebrachten erklärt werden, die so massiv das Bewusstsein dieses Menschen veränderte, dass er das mit anderen teilen wollte, es herausschreien: Hört auf mit euren illusionären Zwängen; wir haben die Wahrheit gesehen; sie ist universell gültig und wird euch verändern, euch frei machen! Nur mal so zum Spaß: Was würden man tun, wenn man z.B. infolge eines Experimentes plötzlich entdecken würde, dass der Tod keine wirkliche Gewalt über uns hat? Man würde vmtl. auf die Strasse laufen und es herausschreien: Eure Sorgen sind lächerlich, eure Begierde ist albern; seht, was direkte Wirklichkeit ist!

    Ob man das alles nun als ein Transmitter-Receiver-Modell durch ein evolutiv bis in die Noosphäre hineingewachsenes Gehirn - das Teil hat an einem lange vor ihm bestehenden Sein (dem Netz der Relationen) - deuten möchte oder als emergentes Produkt des „nur“ materiellen Prozesses neuronaler Neustrukturierungen aufgrund diverser mannigfaltiger Selektionsdrücke, sind m.E. doch nur verschiedene Perspektiven. Es ist so oder so ein Werdeprozess, dessen detaillierter Verlauf und mögliches Ende wir nicht kennen. In alledem schwingt ja auch immer der Grundirrtum mit, wir könnten aufgrund erkannten Weltgeschehens auf das Gesamtkonzept schließen wobei wir nicht einmal wissen, ob es überhaupt ein Konzept gibt und dieses nicht nur ein Produkt erneuter Verdinglichung ist. Eigentlich „schieben wir nur Filme“ in unseren Hirnkonstrukten bzw. – wie ich neulich als humoristisches Statement las – wir leben nur in einer „Serotoninhalluzinose“ (was zwar nicht ganz korrekt, aber dafür umso amüsanter ist). Nur die Stimmigkeit unserer Modelle und Aktionen mit der Außenwelt vermag uns den Glauben zu verleihen, es gäbe ein Innen und ein Außen. Wenn wir uns allerdings sicher zu sein scheinen, dass Sensualismus durch Aktionismus widerlegt wird, könnten wir durchaus vergessen, das die Hand, die den Hammer schwingt zwecks Versenken eines Nagels in einer Wand selber inklusive Hammer, Nagel und Wand Konstrukt sein könnten. Wer aber ist der Konstrukteur? Gibt es ihn gar nicht? Gibt es nur Dinge, die geschehen und Taten, die getan werden – ohne Täter? Ist Gott der Konstrukteur, so let him look after the world and don`t worry. Sünde wäre – so gesehen – nur das Unvermögen, die Einheit zu begreifen (zu begreifen, dass es keine wirkliche Objekt-Subjekt-Trennung gibt) und hat nichts mit den üblichen moralischen Befrachtungen, in denen sich so mancher verliert und an denen sich so mancher erzürnt, zu tun. Sünde ist schlicht Trennung – sonst nichts. Es ist ein Wahrnehmungsproblem. Da wäre wahrlich nichts Neues in der christlichen Botschaft, würde diese nur aus einem „Tu dieses und unterlass jenes“ bestehen. Derlei wurde lange vorher und auch noch lange nach Jesu Wirken verkündet, denn das ist ja nur Unabdingbares zur Schaffung einer ruhigen und störungsarmen Atmosphäre. Man kann einfach nicht gut leben, forschen und meditieren, wenn ständig eine Horde Kannibalen durch das Zimmer rennt. So was gehört sich nicht :-) .

    Gibt es keinen Konstrukteur, so ist das alles selbstlaufend – gleich ob als materieller Prozess wahrgenommen oder als geistiger (das eine scheint keinen echten Mehrwert gegenüber dem anderen zu haben – alles nur Benennung). Worin aber besteht der Mehrwert der Annahme, da wäre ein Konstrukteur gegenüber der Annahme, es wäre keiner? Da ist doch – rein ontologisch gedacht (andere Spekulationen finden sich in meinem Beitrag vom 09.05.08 bei den Kommentaren zu meinem Gastbeitrag) – kein Mehrwert zu sehen, es sei denn, man gäbe sich der Vorstellung hin, man könne sich dem Konstrukteur irgendwie andienen um so irgendeinen Vorteil zu erhalten. Das aber „stanzt“ aus dem Sein wieder eine Verdinglichung oder Personalisierung heraus, denn wenn alles als Person Gott angesehen würde, so entfiele letztinstanzlich diese Person in der Erkenntnis, das ja alles und mithin wir selber göttlich sind. Personen sind ja immer begrenzt, es sei denn man folgt dem Wortspiel und mache aus „Person“ „per sonare“, also etwas alles durchtönendes (ähnlich kann man aus „Realität“ auch „Königreich“ machen, denkt man an sang real, dem sog. Heiligen Gral, dem heiligen Blut des Königs).

    Die Angst des Nichtdurchschauenden, dem sich die Welt nur als ein von ihm als real erlebten Gleichnis offenbart und nicht als Realität hinter oder in den Gleichnissen, verzerrt und polarisiert m.E. vieles. Offb. 21, 8 spricht z.B. von einem See aus Feuer und Schwefel, in denen so allerlei Leute mit heftigen Störgefühlen geworfen werden, unter ihnen auch die Ungläubigen. Mt. 25, 41 thematisiert bereits ähnliches und gibt nähere Auskunft über den evtl. Sinn, denn hier wird ein Verhalten der abwesenden Nächstenliebe kritisiert, also die Selbstsucht, die keinen Raum für andere lässt. Und dann haben wir da noch Lk. 21, 9. Nach diesem Jesuwort ist es nötig, dass schlimme Dinge geschehen. Und mit Mt. 13, 14 (Jes. 6, 9 und 10) sehen wir, dass die Dinge laufen, wie sie laufen ohne dass wir sie nachhaltig ändern könnten. Können wir denn überhaupt nur sagen, dass wir in einem oder zehn Jahren noch die sein werden, die wir heute sind? Im Grunde sind alle Menschen Gläubige einer naiven Statistik, denn die Imponderabilien multikausaler Vernetzungen, die letztlich unser Leben bestimmen, können wir gar nicht in ihrer übergroßen Fülle durchschauen. Darum sollte man mit Mt. 6, 34 alles weniger dramatisch oder ernst sehen. Es ist immer nur Jetzt und Hier. Nietzsche soll einmal gesagt haben, er wäre vielleicht sogar Christ geworden, wenn er nicht so viele sauertöpfige Gesichter unter den Christen gesehen hätte. Naja, da muss man sich bei Dir, lieber Ody, wohl keine Sorgen machen – wo Du doch Rockmusik liebst :-) . „Scuse Me While I Kiss The Sky“ (Jimi Hendrix).

    LG
    Egon

  9. Odyssee

    Lieber Egon,

    ich habe gestern zu später Stunde Deinen jüngsten Beitrag “Geist und Natur” im HvD-Forum gelesen. An diesem wird nach meiner Ansicht erneut der Diskussionskern zur Ursprungsfrage deutlich: Das Leib-Seele-Problem, das Arthur Schopenhauer einmal zutreffend als “Weltknoten” kennzeichnete. Ich möchte Dich daher - auch und gerade mit Blick auf Peter Bieris richtungsweisender Arbeit “Das Handwerk der Freiheit” (1) - ermuntern, Deinen Text zu einem Gastbeitrag für diesen Blog auszuarbeiten, zumal besagte Problemstellung ein interdisziplinäres Arbeitsfeld unter maßgeblicher Beteiligung der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie geradezu erzwingt, um etwaige Engführungen der Theoriebildung als solche aufzuweisen und gegebenenfalls zu korrigieren, Engführungen, die bereits weit im Vorfeld genannter Thematik bestehen: “Kein Phänomen wurde je in der organischen Natur entdeckt, das nicht innerhalb des Rahmenwerkes der modernen, synthetischen Evoutionstheorie interpretierbar gewesen wäre” (2). Meine seinerzeit Deinem Gastbeitrag beigeordnete kritische Bestandsaufnahme gegenwärtiger Evolutionsforschung und ihrer Denkvoraussetzung, dem methodologischen Naturalismus sensu B. Kanitscheider als Hintergrundsfolie des Evolutionismus, spiegelt die ganze Problematik dieser Aussage, die Reinhard Junker in einem ebenso kritischen wie kenntnisreichen Durchgang gegenwärtiger Ansätze des Evo-Devo-Forschungsfeldes präzise herausgearbeitet hat (3): Das im Rahmen des H.-O.-Schemas Nicht-zur-Sprache-Gekommensein des S e i n s und U r - S p r u n g s evolutiver Phänomene. Reinhards Aufsatz konkretisiert mithin, daß die “Selbstorganisation des Genoms” (Hansjörg Hemminger) den systemischen Selbst-Stand impliziert, ur-sächliche Veränderungen somit s y s t e m definiert resp. -immanent sind und lediglich als s o l c h e theoretisch abgebildet werden können. Der systemexterne Ursprung des Organismus erweist sich indes bereits im Sprachgebrauch der Theoriebildung gleichsam als unreflektierte Rückseite, als interpretative Unschärfe in Relation zu metatheoretischen Prämissen, die als solche nicht noch einmal überholt werden können, sondern letztlich (!) im Daseinsfeld von Sinnverlangen und Welterfahrung gewissermaßen erexistiert werden. In diesem Zusammenhang fühle ich mich folgenden Gedanken von Siegfried Scherer sehr verbunden (4): “Die Naturwissenschaft schließt Gott nicht aus, im Gegenteil. Aber ich glaube nicht in erster Linie an Schöpfung, weil für mich das Leben auf den Schöpfer hinweist, schon gar nicht deshalb, weil die Evolutionstheorie zentrale Fragen nicht beantwortet. Selbst die besten naturwissenschaftlichen Argumente können Gott nicht beweisen, können den Glauben nicht wirklich begründen. Ich glaube an Schöpfung, weil ich dem zentralen Zeugnis des Neuen Testaments vertraue: Der Schöpfer ist Mensch geworden, hat durch sein Wort gewaltige Natur-Wunder gewirkt, wurde hingerichtet und ist von den Toten auferstanden. Wenn das wahr ist, dann kann ich auch glauben, dass die Welt durch das geheimnisvolle, der naturwissenschaftlichen Analyse verborgene Allmachtswort Gottes ins Dasein gerufen wurde (Hebr 11, 3).”

    Soweit meine kurzen Nachgedanken.

    Liebe Grüße mit (5) ;-) ,

    Ody

    Anmerkungen

    (1) Bieri, Peter (2001) Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. München

    (2) Mayr, Ernst (1959) Darwin and the Evolutionary Theory in Biology. In: Meggers, BJ. (ed) Evolution and Anthropology: A Centennial Appraisal. Brooklyn, NY, pp. 1-10

    (3) Text auf http://www.genesisnet.info/pdfs/Evo-Devo.pdf

    (4) Idea 41, 2006, p. 18

    (5) http://www.youtube.com/watch?v=5hSW67ySCio

  10. Egon

    Hallo Ody,

    statt eines Gastbeitrages erst mal dieses (sollte ursprünglich ein Gastbeitrag werden, aber ich bin damit nicht zufrieden – als Kommentar mag er aber taugen):

    Sein und Ursprung evolutiver Phänomene

    Es kann nur ein Versuch sein, da ich weder ein Experte in Sachen Biologie bin noch ein Philosoph. Dass soll aber keine Bitte um Nachsicht sein sondern eine Aufforderung zur Kritik, aus der ich – sofern die Kritik korrekt ist – nur lernen kann.

    Zunächst ist kurz zu definieren, was unter Sein, Ursprung, Evolution und Phänomen zu verstehen ist bzw. wie ich diese Begriffe hier verwenden möchte.

    Unter Sein verstehe ich alles an Strukturen, Prozessen und Potentialen, was existiert und unterschiede drei Felder:

    1. den bereits erkannten Teil des Seins
    2. den durch unsere Spezies erkennbaren Teil des Seins
    3. den nicht erkennbaren Teil des Seins

    Sein ist mir synonym mit Welt bzw. mit Existenz.
    Unter Ursprung verstehe ich hier sowohl den ursächlichen Beginn einer Serie von Ereignissen als auch von einzelnen Phänomenen.
    Unter Evolution verstehe ich hier die Entstehung, Abfolge und den Wandel von Lebensformen in den Zeiträumen globaler Epochen.
    Unter Phänomen verstehe ich jede prozessuale, strukturelle, substanzielle oder substanzlos Erscheinung.

    Dass nichts so bleibt wie es ist, kann als wohl jedem bekannte triviale Feststellung betrachtet werden. Der Wandel der Phänomene wurde schon von Heraklit philosophisch festgeschrieben: Alles fließt und man steigt niemals in den gleichen Fluss. Warum alles fließt oder fällt, kann vordergründig mit einfacher Physik beantwortet werden: Potentielle Energie wird zur kinetischen Energie. Solch simplen energetischen Betrachtungen gehorcht aber das Leben nicht, denn dieses kann z.T. fliegen und gegen den Strom schwimmen. Kein Zweifel: Leben stellt eine andere Qualität dar als die es umgebende sog. tote Materie oder mehr oder weniger chaotisch fluktuierende Energie. Mit simpler physikalisch definierter Energieerhaltung kann Leben nicht hinreichend beschrieben werden, es gehorcht in seiner eigenen Qualität mehr einem „Lebenserhaltungssatz“ als nur einem Energieerhaltungssatz. Jedes Leben will überleben und sich ausbreiten. Angefangen hat das alles vmtl. in einer Urwelt mit komplexen Molekülen in geschützten Mikrobereichen. Es muss eine molekulare Struktur gegeben haben, die bestrebt war, ihre Struktur zu erhalten und zu verdoppeln. Derlei kann man noch nicht Leben nennen, es ist im Prinzip die Daseinsweise von Viren (die allerdings nicht als Vorstufen des Lebens angesehen werden, weil sie bereits entwickelte Zellen zur Reproduktion benötigen). Lässt sich eine quasi-virale Struktur, die keinen „Wirt“ benötigt, in einem Ursuppenszenario nachweisen, ist man vmtl. der Lösung des Problems abiotischer Evolution ein gutes Stück näher gekommen. Doch von dort bis zur Amöbe liegt wahrscheinlich ein noch weiterer Weg als vom Einzeller bis zu uns. Denn hat man den Weg zur Zelle erklärt, könnte der Rest vergleichsweise einfach sein weil mit Vorlage der ersten Zelle der Mechanismus zur Speicherung und Modifikation vorliegt, deren Interaktion mit der Umwelt schließlich die große Vielfalt der Lebensformen hervorbringt, die wir kennen – synthetische Evolutionstheorie hin, EvoDevo her.

    Man muss hier freilich einräumen, dass man unter Umwelt vielleicht mehr zu verstehen hat, als nur Klima, Geographie und konkurrierende, kooperierende oder sonst wie verwertbare oder schädliche Lebensformen (von interplanetaren oder interstellaren Einflüsse abgesehen). Denn hier muss auch das oft vernachlässigte epistemische caveat unserer begrenzten Hirnkapazität, die uns eine nur intersubjektive aber keine wirklich objektive Sicht auf die Phänomene erlaubt, berücksichtigt werden. Zudem ist das Reden von Umwelt ja immer defizitär, denn wo beginnt Umwelt und was ist nach dem „Abzug“ von Umwelt vorfindbar? Daraus ergibt sich die Frage nach dem Wesen der Erscheinung. Die Erscheinung einer Lebensentität ist bereits die Umwelt des Wesens, die Form umgibt den Inhalt. Zudem sind Erscheinung und Wesen untrennbar dialektisch verflochten, aufeinander bezogen. Eine Amöbe unterscheidet zwischen Nahrung und Unnahrhaftem, zwischen Gefahr und Sicherheit und verfügt somit über ein Aktionspotential. Nahrung, Gefahr, usw. sind Umwelt, aber die Zellmembran ist auch Umwelt für dien intrazellularen Raum, der wiederum Umwelt des Zellkerns ist, usw. Die Zellmembran stellt eine Grenze dar zwischen dem extrazellularen und dem intrazellularen Raum und setzt damit den klassischen Begriff der Umwelt des Lebewesens. Aber andersherum ist auch das Lebewesen Umwelt für den äußeren Raum. Evolution ist – so gesehen – nicht nur in Anpassungsprozessen an die Umwelt im Äußeren möglich sondern auch im Inneren und Organismen bewirken auch eine „Anpassung der Umwelt“ an Leben in Gestalt einer Verfügbarmachung zuvor unbekannter Bereiche, denn Interaktionen verändern immer alle an der Interaktion beteiligten Komponenten in unterschiedlichem Ausmaß.
    Dies darf nicht reduktionistisch substantiell gesehen werden, denn selbstverständlich ist Luft immer noch Luft ob mit Flugsaurier, Vögel, Fledermäusen oder ohne. Ohne Pflanzen aber wäre das Gasgemisch dieser Luft ein anderes. Ich schlage daher vor, unter Evolution nicht nur den Wandel der Lebewesen zu verstehen, sondern den Wandel von Welt (als Summe aller Innen- und Umwelten) an sich. Die Sichtweise, Ereignisse geschähen nur isoliert voneinander, ist nur annähernd richtig. Faktisch bewirken einzelne Ereignisse ganze Kaskaden von Effekten, deren Resultate sich oft dem unmittelbar Sichtbaren entziehen und andernorts sowie zeitversetzt äußern. Ich will auf die in vielfältige Weise miteinander vernetzte Natur hinaus mit der Option von „Netzkomponenten“, die uns noch nicht bekannt sind oder vielleicht auch nie bekannt werden aus den schon o.g. Gründen. Es ist auch denkbar, dass die uns nicht erfassbare Ganzheit dieses Netzes (das Sein, die Welt, die Existenz als solche) eine Qualität besitzt, die partiell auf ihre Komponenten zurückwirken kann. Eine solche Rückwirkung könnte der Ursprung evolutiven Geschehens sein. Der Vorgang einer solchen Rückwirkung könnte in einer Art Weichbild erfolgen, was die vielen „Anläufe“ oder das „verschwenderische“ Auftreten von Leben erklären könnte ohne gezielten Determinismus und in unserem Bewusstein nur die Illusion einer darwinischen Evolution hervorrufen, deren Effekte höchstens noch für eine Art „Feintuning“ Gültigkeit hätten. Die Evolution selber könnte ein Prozess sein, der die Bildung von „Holografien“ zum Ziel hat, denn es ist ein Vektor denkbar, der auf eine sukzessive Bewusstwerdung von immer mehr Welt hindeutet in den weltrekonstruierenden Prozessen der Gehirne. Das Sein wird sich in seinen „Komponenten“ durch Evolution bewusst. Es kann auch als in sich ohnehin bewusst gedacht werden mit dem Ziel einer Spiegelung dieser Bewusstheit. Wir müssen bedenken, dass wir schon durch die mangelhafte Rekonstruktion der Welt und der damit einhergehenden „Weltverdoppelungen“ durch unser begriffliches Denken nicht „auf der Höhe“ des Seins sind, sondern „asynchrone Nachläufer“ sind. Wir gleichen elektronischen Empfängern, die erst einige verrauschte Signale empfangen können und diese für die ganze Welt halten. Im Laufe der Evolution wird der asynchrone Anteil zuungunsten deines synchronen immer größer bis jenes „Wollen“ mit dem großen „Sein“ zusammenfällt, was dann wohl Glückseeligkeit oder was auch immer genannt werden könnte.

    Aber wer sind wir eigentlich? Was können wir alles abziehen um uns zu entdecken? Sind wir unsere Extremitäten, Organe wie Herz, Lunge, Leber, usw.? Sind wir unser Name? Wir sind Hirnkonstrukte ohne im Hirn auffindbar zu sein. Mit so vielem identifiziert und verwickelt und doch nur eine Schimäre des Bewusstseins. Vielleicht ist ja das o.g. Netz nichts als identitätsloses Bewusstsein und die materiellen Phänomene sind auch nur Bewusstein, das uns nur als Täuschung materiell erscheint – wer weiß? Vielleicht werden wir es nie wissen. Fest steht für mich nur: Es ist eine Welt ohne Über- oder Unterwelt, so phantastisch sie auch sein mag. Und diese Welt ist z.T. erkannt, zu einem Teil noch erkennbar du zu einem weiteren Teil für uns nie naturwissenschaftlich erkennbar und niemand weiß, wie groß oder klein diese Teile sind. Das Schöne an dieser meiner Weltauffassung ist, dass darin alle Platz finden. Denn im Unwissbaren kann sich jede Religion, jede Metaphysik und jede Esoterik tummeln. Ach, was bin ich heute wieder großzügig : -). Doch Vorsicht, wir sind die Borg! Ihr seid assimiliert!

    Mit einem Lächeln

    Egon

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